Familie

Erst Turbo-Abi – und dann mit Mama an die Uni

Es scheint, als hätten die Hochschulen die Eltern als Zielgruppe entdeckt.

Unter dem Motto „Mama & Papa ante portas“ hat zum Beispiel Würzburg kürzlich zu Campus-Rundfahrten, Mensa-Essen und Weinprobe eingeladen. „Elternalarm“ heißt das schon etablierte Schnupper-Wochenende für Väter und Mütter von Studenten in Münster. Andere Unis setzen auf regelmäßige Elternabende mit sachlichen Informationen.

Früher wären Elternsprechtage an der Universität undenkbar gewesen, doch die Erstsemester werden immer jünger. Mittlerweile machen bundesweit mehr Jugendliche das Abitur nach zwölf als nach 13 Jahren. Fast 3000 der 2,6 Millionen Studierenden waren im vergangenen Wintersemester noch minderjährig, knapp 60.200 erst 18 Jahre alt. Zehn Jahre zuvor gab es nur knapp 400 Minderjährige und fast 7500 18-Jährige. Kim Klebolte hat mit 16 Jahren ihr Studium an der Zeppelin Universität am Bodensee begonnen. „Mitgekommen sind meine Eltern nur beim Umzug. Da brauchte ich ja jemanden, der fahren kann“, sagt die 17-Jährige.

Es gibt mittlerweile etwa 16.000 Studiengänge in Deutschland. „Gerade Akademikereltern möchten ihre Kinder bei der Entscheidung unterstützen“, sagt Michaela Christoph, Studienberaterin an der Uni Duisburg-Essen. Mit Elternabenden wollen die Berater verhindern, dass Mütter und ihr Nachwuchs in den Sprechstunden auftauchen und verkünden: „Wir interessieren uns für Maschinenbau.“ Solche Über-Muttis schickt Christoph dann erst einmal in die Cafeteria, um sich in Ruhe mit dem Studenten allein zu unterhalten.