Justiz

Nannte Tugce den betrunkenen Sanel „Hurensohn“?

Während Familie und Freunde weiter um Tugce A. trauern, sitzt der Schläger Sanel M. in Untersuchungshaft und schweigt.

Zwar haben seine Verteidiger inzwischen der Staatsanwaltschaft eine Erklärung zukommen lassen, in der er sich kurz äußert: „Darin steht, dass er sich der schweren Folge seiner Ohrfeige nicht bewusst war, und dass ihm der Tod von Tugce leidtue“, sagte Staatsanwalt Axel Kreutz. Doch warum er zuschlug, dazu will Sanel M. noch immer nichts sagen. Und so müssen die Ermittler das Puzzle vom Abend des 15. November, an dem die Lehramtsstudentin Tugce auf dem Parkplatz eines Imbisses tödlich verletzt wurde, anhand von Zeugenaussagen zusammensetzen. Das scheint sehr schwierig zu werden, denn die Darstellungen könnten trotz Videoaufzeichnungen kaum gegensätzlicher sein.

Ein Freund von Sanel M. namens Aldin K. sagte im „Spiegel“, dass es vor der Tat zu einem heftigen Streit gekommen sei, in dem zahlreiche Kraftausdrücke gefallen seien. Unter anderem habe Tugce Sanel M. einen „Hurensohn“ genannt.

Tugces Freundinnen widersprechen: „Nie im Leben hat Tugce ‚Hurensohn‘ gesagt. Wir können uns das nicht vorstellen!“, werden sie in der „Bild“-Zeitung zitiert. Sanel M. habe sehr wohl zu der Gruppe junger Männer gehört, die alle Gäste im Fast-Food-Restaurant angepöbelt hätten. Eine von ihnen, Kristina P., behauptet, Sanel M. habe die Mädchen auf der Toilette wirklich bedrängt. Als Tugce eingeschritten sei, habe der 18-Jährige der Studentin gedroht: Etwa eine Stunde soll Sanel M. dann auf Tugce gewartet haben.