Bildung

Haarige Hilfspädagogen

Speziell ausgebildete Hunde nehmen Stress und bringen Ruhe in das Klassenzimmer

Stableford liegt zusammengerollt im Transportkorb und linst ein wenig durch das fast geschlossene Auge. Wie Kollegin Dimple ist Stableford ein Schulhund in der fünften Klasse an der Heinrich-Andresen-Schule in Sterup nahe Flensburg. Die rotblonden Tiere sind Nova Scotia Duck Tolling Retriever, kurz Toller. Besitzerin Gabi Orrù ist Lehrerin an der Schule und hat 2009 die AG „Fit for dogs“ gegründet, in der Schüler den Umgang mit Hunden lernen. Seit 2012 kommen die Tiere in den Unterricht. Dafür hatte sich Orrù am Arbeitskreis Schulhund in Nordrhein-Westfalen fortgebildet. Im Kollegium habe es großen Zuspruch gegeben, auch bei Eltern. Inzwischen wollen Kinder gerade wegen der Hunde an der Schule angemeldet werden, erzählt Orrù.

Doch die Vierbeiner brauchen eine Ausbildung, und solche Tiere „wachsen nicht wie Pilze aus dem Boden“, gibt die Lehrerin zu bedenken, die ihre Tiere selbst züchtet und einen Wesenstest absolvieren lässt. „Frau Orrù und Hunde“ steht an der Tür des für das Mensch-Tier-Team eingerichteten Raums. Da haben Dimple und Stable ihren Rückzugsort mit Kuscheldecke, denn auch sie brauchen eine Pause.

20 Prozent der Kinder in Orrùs Klasse haben Förderbedarf. „Die Hunde helfen dadurch, dass sie einfach nur anwesend sind, das ist eine andere Atmosphäre als in anderen Klassen. Wir haben unglaublich viele Probleme mit Lautstärke und Nicht-an-Regeln-Halten – das kann man über die Hunde offenlegen.“

Dimple stromert unter den Tischen hindurch. Manch ein Kind steht auf, streicht der Hündin durch das weiche Fell. „Wir konzentrieren uns mehr mit den Hunden als ohne“, erzählt Jessica. „Es ist ruhiger, und zum Beruhigen können wir sie nach einer Arbeit streicheln.“ Orrù setzt sich zu den Schülern, die aufmerksame Dimple auf dem Schoß. „Who has water for the dogs? Somebody must fill in water“, mahnt Orrù, und Luca lässt sich breitschlagen und füllt den Napf.

Die Hunde sind auch ein Disziplinierungsmittel und bleiben schon mal zu Hause. Etwa, wenn der Putzdienst in der Klasse geschlampt hat. Orrù weist dann auf Gefahren hin, wenn ein Vierbeiner ein Kaugummi verschluckt und Durchfall bekommen könnte. „Dann sollen Sie mal sehen, wie schnell geputzt wird!“

Auf den Tisch setzt Orrù die Tiere, „um Ruhe reinzubringen, wenn die Kinder das sonst nicht so hinbekommen“. Aber Dimple muss auch inhaltlich ran, apportiert ein Täschchen mit Karten, auf denen englische Begriffe stehen. Während die Kinder laut „Christmas cake“ und „chocolate“ deklamieren, guckt die Hündin interessiert zu, ihr puscheliger Schwanz wedelt zwischen bunten Sweatshirts.

Orrù gibt inzwischen selbst Seminare für den Schulhundeinsatz. Auch wegen der hundgestützten Pädagogik wurde die Schule mehrfach als „Zukunftsschule“ vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein ausgezeichnet. Die Rückmeldungen der Lehrer seien positiv, sagt Bernd Schauer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Schleswig-Holstein. Es zeige sich, dass sich etwa Kinder, die sonst laut sind, anders verhalten. Noch seien die Tiere nur sporadisch im Einsatz, es handele sich aber nicht um „eine absurde Geschichte“, sondern verbreite sich. Auch die GEW beschäftigte sich auf einem Erzieherinnentag mit dem Thema.