Prozess

Hamburger Eltern: Todesschüsse in USA werden geahndet

Der Vater des im US-Bundesstaat Montana erschossenen Austauschschülers Diren Dede aus Hamburg ist zuversichtlich, dass die Geschworenen den Todesschützen schuldig sprechen.

„Ich glaube, die werden richtig entscheiden“, sagte Celal Dede der Nachrichtenagentur AFP in einem Interview in Missoula, wo der 30-jährige Markus K. wegen vorsätzlicher Tötung vor Gericht steht. Dort beginnt nach der Auswahl der zwölf Geschworenen – acht Frauen, vier Männer – am heutigen Donnerstag die Hauptverhandlung. Celal Dede und seine Frau Gülcin wollen den Prozess bis zum voraussichtlichen Ende am 20. Dezember vor Ort verfolgen.

Diren war in der Nacht zum 27. April mit einem Freund in dem Wohnviertel unterwegs gewesen, in dem sowohl seine Gasteltern als auch K. mit seiner Familie leben. Nach Angaben des Freundes ging der 17-Jährige auf der Suche nach etwas zu trinken in die halb offenstehende Garage. Dort hatte K., bei dem bereits mehrfach eingebrochen worden war, Bewegungsmelder und eine Videokamera installiert. Als er den Eindringling bemerkte, nahm K. seine Schrotflinte, schoss viermal in die Garage und traf Diren tödlich am Kopf.

Die Dedes riefen die Menschen in Missoula auf, auf Kommunikation zu setzen, um ähnliche Fälle zu verhindern. „Erst überlegen, erst fragen, was willst du, was ist dein Problem“, sagte Celal Dede. „Nicht gleich schießen!“ fügte Gülcin Dede hinzu. Celal Dede riet deutschen Eltern, deren Kinder einen Schulaustausch in den USA planen, sich vorab genau zu informieren. „Wir hatten besonders über diesen Staat Montana zu wenig Informationen“, sagte er. „Dass hier jeder frei mit dem Colt in den Supermarkt gehen kann, mit einem Kind am Arm, solche Sachen wussten wir nicht.“ Bezirksrichter Ed McLean leitet die Verhandlung. Das Urteil der Geschworenen muss einstimmig fallen. Bei einem Schuldspruch drohen K. mindestens zehn Jahre Haft.