Attacke

Mitarbeiter in Jobcenter erstochen

61 Jahre alter Psychologe stirbt noch am Tatort. Das Motiv ist unklar

Im Jobcenter von Rothenburg ob der Tauber ist am Mittwoch ein 61 Jahre alter Mitarbeiter erstochen worden. Nach ersten Erkenntnissen des Polizeipräsidiums Mittelfranken war der Mitarbeiter um kurz vor zwölf Uhr von einem 28 Jahre alten Mann mit einem Messer angegriffen worden. Für das Opfer kam jede Hilfe zu spät, der Mann starb noch vor Ort an seinen Stichverletzungen.

Der Angreifer konnte durch Beschäftigte des Jobcenters überwältigt und anschließend von einer Polizeistreife festgenommen werden. Der mutmaßliche Täter wurde ebenfalls verletzt. „Sein Motiv ist bislang noch unklar“, erläuterte die Polizei. Nach unbestätigten Informationen soll es sich bei dem Opfer um einen Psychologen handeln. Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Angreifer. Notfallseelsorger kümmerten sich um die Beschäftigten des Jobcenters der Bundesagentur für Arbeit.

Jobcenter sind in Deutschland für die Vermittlung von Arbeitslosen zuständig, sowie für die Abwicklung der Grundsicherung, die als Hartz IV bekannt ist und unter anderem Langzeitarbeitslosen ausgezahlt wird. In deutschen Behörden war es in den vergangenen Jahren wiederholt zu schweren Vorfällen gekommen, bei denen Angreifer urplötzlich auf Mitarbeiter losgingen und diese schwer verletzten. Auch in Jobcentern gab es bereits teils tödliche Attacken. Der Deutsche Beamtenbund hatte erst im Oktober vor einer steigenden Zahl tätlicher Attacken auf Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes gewarnt. So gebe es derzeit in Bereichen, die mit Hartz IV und anderen Fragen der Sozialversicherung zu tun hätten, ein „Ausufern der Gewalt“.

In Berlin hatte Anfang Januar 2014 ein 28 Jahre alter Mann in einem Jobcenter in Wedding drei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes angegriffen. Er war mit einer Sachbearbeiterin in Streit geraten und echauffierte sich so sehr, dass sie den Sicherheitsdienst informierte. Als die Männer ihn aus dem Haus in der Müllerstraße führten, eskalierte die Situation. Der 28-Jährige schlug um sich und zog ein Messer, mit dem er aber nicht zustach. Im Mai 2013 schlug ein Mann in Leipzig mit einem Hammer auf eine Mitarbeiterin des Jobcenters ein. Wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung wurde er zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Der 34-Jährige habe die Frau töten wollen. Die Sachbearbeiterin habe nur überlebt, weil ein junger Mann den Angreifer überwältigen konnte.