Gedenken

Öffentlicher Abschied

Tausende Trauergäste zur heutigen Beisetzung von Tugçe A. erwartet

Zur Trauerfeier in einer nahen Moschee werden mehrere Tausend Menschen erwartet – darunter Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Das Schicksal der jungen Frau beschäftigt weiter. In Mahnwachen und den sozialen Netzwerken bekunden seit Tagen Menschen aus ganz Deutschland ihre Bewunderung für den Einsatz der jungen Frau als Streitschlichterin. Die genauen Vorgänge vor dem Offenbacher Schnellrestaurant am 15. November sind aber noch immer nicht klar. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln wegen Körperverletzung mit Todesfolge – über ihre bisherigen Erkenntnisse schweigen sie.

Zu den Aussagen von zwei jungen Mädchen, die tagelang dringend als Zeuginnen gesucht worden waren, gab es auch am Dienstag keine Auskunft. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte lediglich, die beiden seien minderjährig. Berichte, es seien die Mädchen, denen Tugçe zur Hilfe gekommen ist, bestätigte er nicht.

Die Ermittler untersuchen, wie ein Video in die Öffentlichkeit gelangt ist, das offensichtlich aus einer Überwachungskamera stammt. Darauf sind Szenen vom Parkplatz des Schnellrestaurants in der Tatnacht zu sehen. Tugçe war dort niedergeschlagen und so schwer verletzt worden, dass sie ins Koma fiel und später starb. Das Video könne die Ermittlungen erschweren, Zeugen würden möglicherweise beeinflusst, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis war stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Kopf die Todesursache – ob von einem Schlag oder durch den Sturz blieb zunächst unklar.

Der mutmaßliche Schläger, ein 18-Jähriger, sitzt in U-Haft und schweigt. Laut Staatsanwaltschaft gibt es über ihn mehrere Eintragungen im Bundeszentralregister, in einem Fall sei er wegen Körperverletzung belangt worden. Die Restaurantkette McDonald’s sprach der Familie von Tugçe derweil in einer ganzseitigen Zeitungsanzeige ihr Beileid aus. „Wir trauern um eine außergewöhnliche Frau, die Zivilcourage gezeigt hat und dabei ihr eigenes Leben verloren hat“, schreibt der Konzern. McDonald’s verurteile jede Art von Gewalt, „insbesondere in und um unseren Restaurants“, heißt es.