Menschenrechte

Polizeianwärterinnen müssen zum Jungfrauen-Test

Frauen in Indonesien werden nach Angaben von Human Rights Watch vor Eintritt in den Polizeidienst auf ihre Jungfräulichkeit überprüft.

Dieser „Zweifinger“-Test, mit dem das Jungfernhäutchen ertastet werden soll, sei eine alte Praxis in dem vorwiegend muslimischen Land, kritisierte die Menschenrechtsorganisation in einem am Dienstag vorgelegten Bericht. Das „diskriminierende und erniedrigende“ Verfahren gelte auf der offiziellen Internetseite der Polizei als eine der Bewerbungsbedingungen.

Der Sprecher der indonesischen Polizei, Ronny Sompie, sagte dagegen, der Test solle sicherstellen, dass die Frauen frei seien von sexuell übertragbaren Krankheiten. „All dies läuft professionell ab und tut nicht weh.“ Er rief die Menschen dazu auf, „nicht negativ“ auf diese Tests zu reagieren.

Die Menschenrechtsgruppe hatte für ihren Report Frauen in sechs indonesischen Städten interviewt, die diesem Test unterzogen worden waren. Darin sagte eine 24-Jährige, die Untersuchung habe sehr wohl wehgetan. „Ich hatte Angst, dass ich danach keine Jungfrau mehr sein würde“, schilderte sie in einem Video. Die junge Frau war mit 20 anderen Bewerberinnen auf ihre Tauglichkeit für den Polizeidienst überprüft worden.

Indonesiens überwiegend muslimische Gesellschaft ist in vielen sozialen Aspekten konservativ. Patriarchalisches Verhalten ist in der Regierung, in der Verwaltung und bei den Streitkräften üblich. Human Rights Watch hatte den Missbrauch dieser Praxis auch schon in anderen Ländern, etwa in Ägypten, Indien und Afghanistan, dokumentiert.