Medizin

Herzkranker Muhammet in der Türkei gestorben

Nach einem vergeblichen Kampf um ein Spenderherz erliegt der Zweijährige seiner Krankheit

Trauriges Ende eines langen Kampfes: Der herzkranke Junge Muhammet D., der in Gießen ein Spenderherz bekommen sollte, ist in der Türkei gestorben. Das bestätigte der Hamburger Rechtsanwalt Oliver Tolmein. Der Zweijährige erlag in einem Krankenhaus in Istanbul den Folgen seiner Erkrankung, nachdem er von seinen Eltern zurück in ihre Heimat gebracht worden war.

Das Kind sollte Anfang des Jahres für eine Herztransplantation aus der Türkei in das Kinderherzzentrum Gießen verlegt werden. Kurz vor dem Transport erlitt der fast zweijährige Junge einen Kreislaufstillstand. Dadurch kam es nach Angaben der Gießener Ärzte zu einer schweren Hirnschädigung. Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg lehnte daraufhin eine Herztransplantation ab. Die Eltern zogen vor Gericht, doch das Landgericht Gießen wies die Klage ab.

Sie hätten Berufung eingelegt, doch mit dem Tod des Klägers ende das Eilverfahren aus rechtlichen Gründen, sagte Tolmein. Es sei jedoch eine Reihe von Fragen offen. Er habe Anfragen von Patienten, die sich mit vergleichbaren Problemen an ihn wendeten: „Der Gesetzgeber fordert dazu auf, Organe zu spenden, aber der Rechtsschutz für die Menschen, die Organe bekommen wollen, ist nicht ausgestaltet.“

Kriterien für eine Aufnahme auf die Warteliste für ein Spenderorgan seien Erfolgsaussicht und Dringlichkeit. Ihr Fall habe gezeigt, dass diese Kriterien gegenläufig sein könnten: Der kleine Junge war sehr schwer krank und hätte dringend ein Spenderorgan benötigt, doch die Erfolgsaussichten waren geringer. Dieses Dilemma treffe auch die Kliniken: „In welchem Verhältnis die Kriterien Dringlichkeit und Erfolgsaussichten zueinander stehen, muss geklärt werden, und das ist Aufgabe des Gesetzgebers“, sagte Tolmein. Der Gesundheitszustand des Jungen hatte sich ab Sonnabend stark verschlechtert. Daraufhin wurde er auf Wunsch der Eltern am Montagabend von Gießen nach Istanbul geflogen.

Muhammet wurde 2012 in der Türkei geboren. Bald stellte sich heraus: Er leidet an einem Herzfehler. Die Eltern setzten alle ihre Hoffnungen auf eine Transplantation in Deutschland. Sie sammelten Spenden und brachten ihn nach Gießen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Herz des Kindes schon zu schlagen aufgehört, sein Gehirn war geschädigt, nur Maschinen hielten Muhammet am Leben.

Die Klinik musste für ihre Entscheidung viel Kritik einstecken. Ein Sprecher berichtete von massiven Anfeindungen, Mitarbeiter würden verbal und körperlich bedroht. Manche Kommentatoren sahen in dem Fall eine Diskriminierung, entweder von Behinderten oder von Ausländern.