Schule

Lehrerin bestraft Erstklässler mit Fesseln an einen Stuhl

Man wähnt sich in einem entlegenen Winkel der Welt oder im 17. Jahrhundert.

Doch die Lehrerin, die jetzt drakonische Strafen gegen Erstklässler verhängte, wirkte in der Gegenwart im beschaulichen tauberfränkischen Städtchen Bad Mergentheim (Baden-Württemberg). Sie soll einen Schüler während der Schulstunde mit einem Seil an einem Stuhl festgebunden haben. Das berichteten die „Fränkischen Nachrichten“ am Donnerstag. Mehrere andere Erstklässler aus derselben Klasse der katholischen Privatschule hätten die gesamte Schulstunde auf dem blanken Fußboden kniend verbringen müssen.

Anlass des Vorfalls, der sich bereits in der vergangenen Woche ereignet hatte, sei gewesen, dass die Schüler am Vortag ihre Stühle beim Aufräumen nicht richtig auf die Tische gestellt hatten. Das Regierungspräsidium Stuttgart, das die Rechtsaufsicht innehat, prüft die Vorfälle. Die Elternbeiratsvorsitzende hatte sich am Donnerstag vergangener Woche an die Schulleitung gewandt. Bei dem Gespräch mit Schulleitung, Lehrerin, Elternvertretern sowie weiteren Pädagogen sei klar geworden, dass die Vorgehensweise der Lehrerin grundsätzlich nicht den pädagogischen Vorstellungen der Schule entspreche. Sie habe dann „aus persönlichen Gründen“ gekündigt, sagte eine Sprecherin des Regierungspräsidiums.

Die Angelegenheit werde auch schulfachlich und juristisch geprüft. Zudem werde untersucht, ob der Lehrkraft eine künftige Tätigkeit als Lehrerin an einer Privatschule untersagt werde. „Weitere Aussagen wollen wir aufgrund der Verschwiegenheitspflicht in Personalangelegenheiten nicht erteilen“, so die Sprecherin. Der Schulleiter war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, das Kultusministerium in Stuttgart sagt nur: „Für Privatschulen sind wir nicht zuständig.“ Grundsätzlich gilt jedoch auch für Privatschulen Paragraf 90 des Schulgesetzes: „Die körperliche Züchtigung ist ausgeschlossen.“