Urteil

Eine Milliarde Dollar für die Ex-Frau

Scheidungskrieg endet für US-Öl-Tycoon Harold Hamm mit einer Rekordabfindung

Als der amerikanische Öl-Milliardär Harold Hamm im Jahr 1988 seine Verlobte Sue Ann Arnall heiratete, versprachen sich die beiden, einander ein Leben lang zu lieben und für den anderen da zu sein. Einen Vertrag für dieses Versprechen brauchten die beiden Jungvermählten dafür nicht. Mehr als ein Vierteljahrhundert und einen sich über mehrere Jahre hinziehenden erbitterten und schmutzigen Scheidungskrieg später ist die Ehe der beiden durch einen Richter in dieser Woche vorzeitig beendet worden.

Die Scheidung zwischen dem Vorstandvorsitzenden und Mehrheitseigentümer des Öl-Giganten Continental Resources, Harold Hamm, und dessen Ex-Frau ist mit einer Abfindung von knapp einer Milliarde Dollar an die 58-Jährige die teuerste Scheidung aller Zeiten in Amerika. Diesen Rekord hielt bisher der Casino-Magnat Steve Wynn, der 2010 seiner Ex-Frau Elaine 741 Millionen Dollar auszahlen musste. Die weltweit teuerste Scheidung dagegen ist laut „Forbes“ die des russischen „Düngemittel-Königs“ Dmitri Rybolowlew. Er musste 2012 4,5 Milliarden Dollar an seine Frau Elena abtreten.

Auch die Hamm-Scheidung hätte noch viel teurer werden können. In seiner 80 Seiten langen Urteilsbegründung hatte der Vorsitzende Richter des Bezirksgerichts in Oklahoma City, Howard Haralson, die Forderung der Ehefrau nach der Hälfte des Gesamtvermögens des Öl-Tycoons abgelehnt. Als Sue Ann Hamm 2012 ihrem Mann eine Affäre mit einer anderen Frau vorwarf und die Scheidung einreichte, wären das zwischen etwa 8,5 und neun Milliarden Dollar gewesen. Mittlerweile schätzt das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ das Vermögen des 68-jährigen Hamm auf „nur noch“ 14 Milliarden Dollar.

Richter Haralson urteilte nach zehn Wochen Verhandlung dagegen eher im Sinne der Anwälte von Harold Hamm und sprach dessen Frau eine Abfindung von insgesamt nur 995 Millionen Dollar zu. Knapp ein Drittel davon, 322,7 Millionen Dollar, muss der verurteilte Öl-Manager noch in diesem Jahr auf das Konto von Sue Ann überweisen.

Die verbliebenen 650 Millionen Dollar darf Hamm in Raten von sieben Millionen Dollar pro Monat in den kommenden Jahren abstottern. Weitere etwa 25 Millionen Dollar hatte die Juristin und Wirtschaftsexpertin bereits in Sachwerten bekommen, darunter auch die gemeinsame Ranch in Carmel, Kalifornien, sowie zwei weitere Häuser in Oklahoma City.

Ob sich Sue Ann Hamm mit der Einigung allerdings zufrieden geben oder Einspruch gegen das Urteil einlegen wird, bleibt abzuwarten. Sie wollte eigentlich mehr. Hamm, der die Zahlungen an seine Frau über Bankkredite finanzieren will, zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. „Dies ist ein fairer und angemessener Ausgang des Falles.“ Auf die Frage, ob er noch einmal heiraten werde, erklärte er: „Ganz sicher nicht. Das wird nie mehr passieren.“