Kriminalität

AC/DC unter Starkstrom

Schlagzeuger Phil Rudd soll einen Auftragskiller angeheuert haben. In seinem Haus sind auch Drogen gefunden worden

Der langjährige Schlagzeuger der legendären australischen Hardrockband AC/DC soll versucht haben, einen Auftragskiller anzuheuern. Phil Rudd, 60, steht deshalb in Neuseeland vor Gericht. Der Killer sollte laut Anklageschrift in seinem Auftrag zwei Männer beseitigen. Rudd machte bei dem Termin am Donnerstag keine Angaben zu den Beschuldigungen. Er wurde gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Der nächste Gerichtstermin ist am 27. November. Eine der Auflagen für die Kaution war, dass er keinen Kontakt zu Personen aufnehmen darf, die in die mutmaßlichen Mordpläne verwickelt sind. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Fernsehsender filmten Rudd im Gerichtssaal. Der Musiker war nach Angaben von Reportern barfuß, trug einen Stoppelbart und sah verwahrlost aus. Seine Frau holte ihn anschließend am Distriktgericht in Tauranga rund 200 Kilometer südöstlich von Auckland ab. Rudd lebt in der Nähe. Er ignorierte Reporter und zog sich in sein Haus in Bureta zurück, wie Medien vor Ort berichteten. Der gebürtige Australier lebt seit mehr als 30 Jahren in Neuseeland und betreibt in Tauranga ein Restaurant, „Phil’s Place“.

Über die angeblich geplante Tat machte die Polizei keine näheren Angaben. Wen Rudd angeblich umbringen lassen wollte und wen er mit dem Mord beauftragt haben soll, blieb unter Verschluss. Rudd wurde nicht nur wegen der Morddrohung sondern auch wegen des Besitzes von Drogen angeklagt. Die Polizei hatte am Morgen sein Haus durchsucht und dabei Methamphetamine und Marihuana gefunden.

AC/DC, zu deren Hits „Highway to Hell“, „Back in Black“, „Hells Bells“ und „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ gehören, wollten im Dezember das neue Album „Rock or Bust“ veröffentlichen und hatten eine Welttournee für 2015 geplant. Inwiefern diese Pläne nach diesen jüngsten Ereignissen weiter Bestand haben, war zunächst unklar.

Zweite Hiobsbotschaft des Jahres

Rudd schloss sich biografischen Angaben zufolge der Band erstmals 1974 und damit ein Jahr nach ihrer Gründung an. In den 80ern verließ er die Gruppe, kehrte jedoch in den 90ern wieder zu ihr zurück. Der Schlagzeuger siedelte 1983 nach Neuseeland über – in einer Zeit, als der geborene Australier nicht zu AC/DC gehörte. 2011 kaufte er in Tauranga ein Restaurant und nannte es „Phil’s Place“. 2003 wurden AC/DC in die Rock and Roll Hall of Fame in Cleveland aufgenommen. Diese bezeichnet die Gruppe als eine der beliebtesten und am „härtesten rockenden“ der Welt. „Das brachten sie ohne Mätzchen zustande, mit Ausnahme der Schuluniform von (Gitarrist Angus) Young, die zur obligatorischen Bühnenkleidung wurde“, heißt es in der Biografie der Hall of Fame. Das US-Militär griff für Kriegszwecke auf Musik der Band zurück. 2004 beschallte es sunnitische Kämpfer im irakischen Falludscha mit „Hells Bells“ und anderen Songs in der Hoffnung, diese zermürben zu können.

Für die Rockband, die nach eigenen Angaben mehr als 200 Millionen Alben verkauft hat, ist es die zweite Hiobsbotschaft des Jahres. Bandmitgründer Malcolm Young, 61, fiel im Frühjahr bei der Produktion eines neuen Albums zunächst aus. Kurz darauf teilte die Band mit, dass er ausscheide. Inzwischen haben Freunde gesagt, Malcolm Young habe Alzheimer und lebe in einem Heim in Sydney. Ein Cousin, Stevie Young, übernahm seinen Part. Verkaufsstart für das neue Album „Rock or Bust“ ist der 2. Dezember.

Die Band erklärte am Donnerstag auf ihrer Facebook-Seite: „Gerade haben wir aus den Nachrichten von Phils Inhaftierung erfahren. Wir geben dazu keinen Kommentar ab. Phils Abwesenheit wird keinen Einfluss auf die Veröffentlichung unseres neuen Albums und die bevorstehende Tour im nächsten Jahr haben.“ Australische Medien berichteten über Gerüchte, dass Rudd sich erneut mit seinen AC/DC-Kollegen zerstritten habe: Die Band habe nach dem Abgang von Malcolm im Oktober ein neues Band-Foto veröffentlicht – ohne den Schlagzeuger. Auf der offiziellen Webseite listet AC/DC Phil Rudd aber weiter als Schlagzeuger auf.

Auf den Bandnamen AC/DC kamen die Brüder Angus und Malcolm, die in Schottland geboren wurden, nachdem deren Schwester Margaret die entsprechende Abkürzung auf der Rückseite ihrer Nähmaschine sah und meinte, das sei ein guter Bandname. AC/DC ist die englische Abkürzung für Wechselstrom/Gleichstrom. Auf Margaret Young ging auch der Vorschlag zurück, Angus Young solle seine alte Schuluniform auf der Bühne tragen, da er es sich in seiner Teenager-Zeit angewöhnt hatte, die Uniform nach der Schule für den Rest des Tages anzubehalten.