Raumfahrt

War es der zu frühe Griff zur Bremse?

„SpaceShip Two“-Unfall: Einer der Piloten hat den Entriegelungshebel vorzeitig aktiviert

Nach dem Absturz des privaten Raumschiffs „SpaceShip Two“ haben Ermittler erste Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gefunden. Einer der Piloten habe einen Entriegelungshebel für einen Mechanismus im Heck zu früh betätigt, sagte der Leiter der US-Verkehrssicherheitsbehörde (NTSB), Christopher Hart, am Sonntagabend. Er könne jedoch nicht sagen, ob dies die Ursache für das Unglück sei, schränkte Hart ein: „Uns stehen noch Monate und Monate der Ursachenforschung bevor“. Klar sei nur jetzt schon: Eine Explosion an Bord habe es wohl nicht gegeben.

Kameraaufnahmen aus dem Cockpit zeigten, dass der Kopilot den Entriegelungshebel betätigt habe, als das Raumschiff eine Geschwindigkeit von etwa 1,0 Mach erreicht habe, sagte Hart weiter. Mit diesem Tempo war schon die Concorde unterwegs gewesen. Allerdings hätte der Hebel erst bei der Geschwindigkeit von 1,4 Mach umgelegt werden dürfen. Nach seinen Angaben wurden inzwischen fast alle wichtigen Teile der Raumfähre gefunden. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Tanks und das Raketentriebwerk intakt gewesen seien.

„SpaceShip Two“ war am Freitag bei einem Testflug über der kalifornischen Mojave-Wüste auseinandergebrochen und zu Boden gestürzt. Der Pilot konnte sich retten, sein Kopilot aber kam ums Leben. Das Unternehmen Virgin Galactic des britischen Milliardärs Richard Branson wollte das Raumschiff für den Weltraumtourismus einsetzen, Hunderte Interessierte hatten bereits eine Reise zum Preis von rund 200.000 Euro reserviert. Darunter diverse Prominente wie Brad Pitt und Angelina Jolie.

Hinter Virgin Galactic steht zudem die Firma Aabar Investments PJS in Abu Dhabi. Gemeinsam wollte man Passagiere rund 100 Kilometer über die Erdoberfläche ins All transportieren. Das Unglück ist ein enormer Rückschlag für die kommerzielle Raumfahrt. Virgin Galactic war bislang führend im Bereich des Weltraumtourismus. Laut einem Experten wird sich der Start der ersten Touristen nun voraussichtlich um Jahre verzögern – geplant war er bereits für das kommende Jahr.

Branson hatte sich bereits im Vorfeld gegen solche Spekulationen verwahrt. Er fände es „ein wenig unverantwortlich“, dass sich noch vor den Ermittlern der NTSB „Leute zu Wort melden, die keine Ahnung haben“, sagte er. Der Vorstand von Virgin Galactic, George Whitesides, erklärte, Meinungsverschiedenheiten zur richtigen Technik seien in der Raumfahrt üblich: „Jede Gruppe bevorzugt andere Technologien.“ Für den Raketenantrieb soll Distickstoffoxid sowie eine neue Komponente auf Polyamidbasis verwendet worden sein, die am Freitag erstmals für einen Testflug eingesetzt worden war.