Partnerschaft

Flirten geht am besten in der U-Bahn

Brian Robinson ist New Yorks angeblich größter Dating-Experte. Im Untergrund, so seine These, lernt man am besten Frauen kennen

Wer als nicht Nichtamerikaner in New York eine Frau kennenlernen möchte, muss zunächst einmal die US-Dating-Regeln kennen. Fange vorsichtig an, starte mit einem gemeinsamen Kaffee. Zweiter Schritt: nach der Arbeit auf einen Drink treffen. Aber wer auf eine gemeinsame Nacht drängt, dürfte enttäuscht werden. Erst das dritte Treffen – ein Abendessen wäre angemessen – entscheidet, ob etwas Ernstes entstehen könnte. Dann, so erzählen es die New Yorker, habe viele Männer und Frauen bereits die Zahnbürste dabei.

Brian Robinson ist das viel zu kompliziert. Der 48-Jährige behauptet, der beste Ort für den Anfang einer Romanze sei die New Yorker U-Bahn. Er selbst will in den vergangenen 14 Jahren im Untergrund über 500 Frauen kennengelernt haben. Seine Tipps hat er jetzt in dem Buch „How to Meet Women on the Subway“ veröffentlicht. „In der U-Bahn gibt es Massen an attraktiven Frauen“, sagt der selbsternannte Gigolo. „Und keine von ihnen erwartet, auf einen netten Mann zu treffen.“

Genau das sei die Chance auf einen Überraschungsangriff. Die Tricks von Robinson sind allerdings hausbacken. Doch sie führen, so behauptet zumindest der stets ordentlich gekleidete U-Bahn-Romeo, in den meisten Fällen zum Erfolg. „Egal, ob sie gerade ohne Arbeit sind oder noch bei den Eltern wohnen, ziehen Sie sich einen Anzug an“, empfiehlt Robinson in der „New York Post“. Das äußere Erscheinungsbild sei der erste Schritt, die Frau seines Lebens zu treffen.

„Man sollte auch freundlich und charmant sein und Mut für einen ersten Satz haben“, sagt Robinson und rät dabei zu der Touristenmasche, angeblich eine seiner erfolgreichsten Strategien. „Fragen Sie nach dem Weg“, sagt der Mann aus Brooklyn, der sich eigentlich bestens in der Stadt auskennt. „Fährt diese U-Bahn zur 6. oder zur 8. Avenue?“ Die Antwort sei dabei natürlich völlig unwichtig.

Einen charmanten Abgang planen

Was zähle, sei der erfolgreiche Beginn einer Unterhaltung. Denn nach dieser Frage wäre der nächste Satz so etwas wie: „Ah, ich höre, Sie haben einen Akzent. Wo kommen Sie denn her?“ In New York, sagt Robinson, „kommen 97 Prozent aller Menschen nicht aus dieser Stadt.“ Damit könne man also nicht falsch liegen. Wichtig sei, dass man dranbleibe und schnell den nächsten Satz platziere. Beispiel: „Oh, das ist ja toll. Montreal. Da wollte ich schon immer hin!“ Der Trick, so der Werbefachmann, sei, dass man Interesse an der Person zeige. Dabei könne man es auch umgedreht machen und gezielt Touristen ansprechen, um ihnen etwa den Weg zu beschreiben. Dabei kann auch der Einsatz einer MetroCard helfen, mit der man uneingeschränkt fahren darf. „So kann ich Frauen, die am Eingang zur U-Bahn nach Kleingeld oder nach ihrer eigenen Karte suchen, zu einer Freifahrt einladen“, sagt Robinson. Und ihnen dabei auch noch gleich meine Visitenkarte geben.

Jeder müsse sich aber auch einen Plan für einen charmanten Abgang überlegen. „Schade, meine Haltestelle kommt“, wäre etwa gut. „Ich würde mich gerne weiter mit Ihnen unterhalten. Würden Sie mir Ihre E-Mail-Adresse geben?“ Niemand fühle sich bedroht, wenn man eine fremde Frau nach ihrer E-Mail-Adresse fragt, glaubt Robinson. Und man selbst stehe nicht als dummer Anquatscher da. Das indes bezweifeln viele. „Der gruseligste Typ von New York“, schimpft zum Beispiel das Internetmagazin salon.com. Gawker.com geht noch einen Schritt weiter und titelt: „Treffen sie das A… , das über 500 Frauen in der U-Bahn belästigt hat.“

„Geschichten wie diese gibt es viele, und man sollte sie nicht auf die leichte Schulter nehmen“, warnt Debjani Roy. Die Chefin der gemeinnützigen Organisation Hollaback hilft Frauen, die belästigt wurden. „Diese Männer laufen mit dem Eindruck herum, dass ihnen etwas gehört und dass sie ein Recht darauf haben.“ Solche Gedanken könnten dann zu gewalttätigen Angriffen führen, nur weil die Frau die Anmache zurückweist.

Dass es in der New Yorker U-Bahn immer wieder zu Übergriffen kommt, zeigen Statistiken. In den vergangenen fünf Jahren meldeten mehr als 3000 Frauen sexuelle Übergriffe. Brian Robinson kann sich in seiner Karriere als U-Bahn-Gigolo nur an einen Zwischenfall erinnern. „Dabei hatte eine Frau schon die Hand in ihrer Handtasche an ihrer Pfefferspraydose“, sagt er. Sie habe ihm schroff zu verstehen gegeben, dass sie keine Zeit für solche Sachen habe. Robinson: „Ich bin dann an der nächsten Haltestelle ausgestiegen.“