Raumfahrt

„Ich habe die Schichten der Atmosphäre gesehen“

Google-Manager überbietet mit Sprung aus 41 Kilometern Höhe Felix Baumgartners Rekord

In aller Stille hat ein Google-Manager mit einem Sprung aus der Stratosphäre den Rekord von Felix Baumgartner getoppt. Alan Eustace sauste aus einer Höhe von 41.425 Metern in die Tiefe und durchbrach dabei die Schallmauer, wie das für das Projekt zuständige Unternehmen Paragon Space Development Corporation mitteilte. An den Rand des Weltalls stieg der 57-jährige Eustace am frühen Morgen mit einem Heliumballon über dem Wüstenboden im Süden des US-amerikanischen Bundesstaats New Mexico auf. Die Fahrt dauerte mehr als zwei Stunden. Ganz oben angekommen, sprang der in einen Spezialanzug gehüllte Manager in die Tiefe. Während der rund viereinhalb Stunden langen Reise erreichte er Höchstgeschwindigkeiten von 1322,9 Kilometer pro Stunde.

Jim Hayhurst, Direktor des US-Verbands der Fallschirmspringer, war als offizieller Beobachter zugegen. Eustace habe wohl nicht gespürt, dass er die Schallmauer durchbrochen habe, doch das Team am Boden hat den Überschallknall gehört, versicherte Hayhurst. „Er sagte, dass die Aussicht fantastisch war. Er war aufgeregt“, fügte er nach einem Gespräch mit Eustace nach dessen Landung hinzu. Laut Hayhurst hatte ein Bremsfallschirm dem wagemutigen Google-Mitarbeiter trotz einer Geschwindigkeit von Mach 1,23 im freien Fall Stabilität und Kontrolle verliehen.

Anders als der von großem Medienrummel begleitete Stratosphärensprung des früheren Extremsportlers Baumgartner im Jahr 2012 ging Eustaces Aktion weitgehend unbemerkt über die Bühne. Baumgartner hatte damals mit einem Sprung aus einer Höhe von 39.044 Metern einen Rekord aufgestellt. Nun hat der Österreicher wohl in Eustace seinen Meister gefunden. Fast drei Jahre lang hatte Paragon Space Development den Sprung von Eustace vorbereitet und durchgespielt.

Eustace habe etwa 30 Minuten oben verbracht. „Man konnte die Dunkelheit des Weltalls und Schichten der Atmosphäre sehen“, sagte er der „New York Times“. Der Google-Manager verzichtete im Gegensatz zu Baumgartner auf eine Kapsel und ließ sich nur in seinem Spezialanzug am Ballon befestigt nach oben befördern. Den Fallschirm öffnete er in einer Höhe von rund 5,5 Kilometern. Zuvor hatte er etwa viereinhalb Minuten nach dem Absprung seinen Flug bereits mit einem Mini-Schirm stabilisiert.

Bei Baumgartner hatte der Getränke-Anbieter Red Bull die Aktion finanziert. Eustace sagte der Zeitung, Google sei bereit gewesen, sein Projekt zu unterstützen. Er habe dies aber abgelehnt, weil er seinen Sprung nicht in einen Marketing-Event für Google verwandeln wollte. Eustace habe bereits seit 2011 an dem Projekt gearbeitet. Der Rekordsprung war Teil eines Forschungsvorhabens der Paragon Space Development Corporation, das die bemannte Erkundung der Stratosphäre ermöglichen soll.

Felix Baumgartner zollte dem neuen Rekordhalter Respekt: „Gratuliere Alan! Es braucht viel Mut dafür. Niemand weiß das besser als Joe Kittinger und ich“, schrieb Baumgartner auf seiner Facebook-Seite.