Sicherheit

Ebola-Verdacht auf Luxusliner

Kreuzfahrtschiff darf Häfen nicht anlaufen. Passagier testete im Labor Blut eines Infizierten

Die Magie der Karibik wollten die 5000 Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff „Carnival Magic“ genießen. Die Reise begann am 12. Oktober in Texas. Die ersten Stationen waren die Insel Roatan, Honduras und, am vergangenen Donnerstag, Belize. Doch die Reisenden durften in Belize nicht von Bord. Am Freitag wiesen auch die mexikanischen Behörden das Schiff ab, es durfte die Insel Cozumel nahe dem Badeort Cancún nicht anlaufen.

Der Grund: An Bord befindet sich eine Frau aus Texas, die dort mit Proben des Ebola-Virus in Kontakt gekommen sein könnte. Sie sei eine Mitarbeiterin des Krankenhauses in Dallas, das den mittlerweile verstorbenen Ebola-Patienten Thomas Eric Duncan aus Liberia behandelt hatte und in dem sich zwei Krankenschwestern mit dem gefährlichen Virus infizierten.

In freiwilliger Quarantäne

Die nicht namentlich genannte Angestellte der Klinik Texas Health Presbyterian könnte nach Angaben der US-Seuchenkontrollbehörde CDC im Labor mit Körperflüssigkeiten von Duncan in Kontakt gekommen sein. Sie habe zuletzt vor 19 Tagen mit Blutproben des Patienten hantieren können. Die Frau zeigt laut dem Unternehmen Carnival Cruise Lines keine Symptome, sie steht unter freiwilliger Quarantäne und verlässt ihre Kabine nicht.

Ein Versuch der US-Regierung, die Frau von Belize aus in die USA zu bringen, schlug fehl. Belize habe aber abgelehnt, die Frau ins Land zu lassen. An diesem Sonntag soll das Schiff, wie ohnehin geplant, wieder in Galveston (US-Bundesstaat Texas) ankommen. US-Medienberichten zufolge hat das Unternehmen den Passagieren eine Summe von 200 Euro zugesagt, die diese noch während der Kreuzfahrt an Bord ausgeben können. Außerdem gebe es wegen der Unannehmlichkeiten einen Preisnachlass von 50 Prozent bei der Buchung einer weiteren Kreuzfahrt mit Carnival Cruise Lines.

Mehrere lateinamerikanische Länder lassen keine Bürger mehr aus den westafrikanischen Ebola-Staaten einreisen. Belize werde eine Visabeschränkung einführen, kündigte der Minister für Zuwanderung, Godwin Hulse, am Freitag (Ortszeit) an. Sie gilt für Guinea, Liberia und Sierra Leone, wie lokale Medien berichten. Zuvor hatten Kolumbien, Jamaica, St. Vincent, Guyana, St. Lucia sowie Trinidad und Tobago ähnliche Restriktionen erlassen. Auch Saudi-Arabien erteilt Menschen aus Liberia, Guinea und Sierra Leone kein Visum, um für die islamische Pilgerfahrt Haddsch nach Mekka zu reisen. Das betrifft mehr als 7000 Reisende.

Eine Reihe weiterer Länder verweigert zwar nicht die Einreise, befragt jedoch Reisende aus den betroffenen Ländern nach Ebola-Symptomen und nimmt teils Fiebermessungen vor oder plant solche Maßnahmen. So etwa die Türkei, Tschechien, Großbritannien und Israel. An deutschen Flughäfen gibt es keine Kontrollen von ankommenden Passagieren. Wie in die USA gibt es auch nach Deutschland keine Direktflüge aus Liberia, Guinea und Sierra Leone. Deutsche Experten halten die Befragung oder Untersuchung von Reisenden, die von Westafrika über eine Zwischenstation nach Deutschland einreisen, für wenig effizient. Derzeit ist nichts dergleichen geplant.

Mehr noch: Einige Fachleute meinen, Einreiseverbote könnten sogar das Gegenteil bewirken. Sie könnten den in Westafrika dringend gebrauchten Nachschub an medizinischer Ausrüstung, medizinischem Personal und Lebensmitteln behindern. Ohne diese Hilfe wären vor allem die von Ebola besonders stark betroffenen Länder Sierra Leone, Guinea und Liberia noch machtloser gegen die Krankheit. Das tödliche Virus könnte sich dann erst recht über noch weitere Gebiete ausbreiten, und die Gefahr für die Welt nähme damit zu. Zudem könnte ein Reiseverbot für Menschen aus den betroffenen westafrikanischen Ländern dazu führen, dass Passagiere versuchen, über ihre Reisen zu lügen oder Kontrollen auf Ebola-Symptome zu vermeiden, heißt es weiter.

Die Betreuung von Patienten und Menschen unter Quarantäne vor Ort bleibt weiter schwierig – es mangelt an Personal. Keinen Umschwung, aber vielleicht ein klein wenig Enspannung der Lage könnte ein Projekt der Vereinten Nationen (UN) bringen: Die UN haben damit begonnen, Überlebende der Ebola-Epidemie in Westafrika zu Helfern im Kampf gegen die Krankheit auszubilden. Da die Überlebenden gegen das Virus immun geworden seien, könnten sie eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Familien mit Ebola-Kranken übernehmen, sagte die Kommunikationschefin des Kinderhilfswerks Unicef, Sarah Crowe, am Freitag in New York.

So könnten Ebola-Überlebende sich um Kinder kümmern, die nach einer Ebola-Infektion in ihrer Familie 21 Tage in Isolation müssten. Ihnen sei es möglich, Kleinkinder auch einmal in den Arm zu nehmen – ohne die Sicherheitsvorkehrungen, die sonst auf das Vermeiden jeglicher Berührungen abgestellt sind. Das Virus habe in der Region schon 3700 Kinder zu Waisen gemacht. Diese Zahl werde zunehmen, da sich die Zahl der Ebola-Ansteckungen alle drei Wochen verdreifache. Mehr als 4500 Menschen sind laut Weltgesundheitsorganisation seit Beginn des Ausbruchs Anfang des Jahres an Ebola gestorben.