Wirbelsturm

Wütende Sturmflut

Hurrikan „Gonzalo“ fegt über die Bermuda-Inseln. Hälfte der 70.000 Einwohner ohne Strom

Hurrikan „Gonzalo“ ist in der Nacht zum Sonnabend über die Bermudas gefegt. Wie das US-Hurrikanzentrum mitteilte, traf das Zentrum des Wirbelsturms mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 175 Stundenkilometern auf die Inselgruppe im Atlantik. „Gonzalo“ schnitt knapp die Hälfte der zirka 70.000 Einwohner von der Stromversorgung ab. Die Meteorologen warnten vor einer bis zu drei Meter hohen Sturmflut. Das ganze Ausmaß der Schäden könne erst bei Tageslicht festgestellt werden, hieß es.

Der Sturm wütete die ganze Nacht, entwurzelte Bäume und ramponierte Dächer. Heftige Wellen krachten auf das Ufer. Die ganze Inselgruppe steckte in weißem Dunst. Das Dach des größten Krankenhauses der Bermudas wurde beschädigt, wie der Polizeisprecher Dwayne Caines berichtete. Wasser lief in die Intensivstation der Klinik. Der Hurrikan habe neun bis zwölf Meter Wellen aufgetürmt und werde für Überflutungen sorgen, teilten nationale Meteorologen mit.

Die Behörden forderten Anwohner tiefer gelegener Gebiete auf, sich in Sicherheit zu bringen. Viele hörten nicht auf diese Anweisungen und reparierten selbst während des Sturms kleinere Schäden an ihren Häusern. Zwei Hotels an der südlichen Küste der Hauptinsel Bermuda wurden geräumt. „Gonzalo“ hatte sich auf dem Weg in Richtung Bermudas leicht abgeschwächt. Über dem Atlantik hatte er bis zu 215 Stundenkilometer erreicht. Am frühen Sonnabendmorgen stürmte „Gonzalo“ noch mit bis zu 165 Stundenkilometern und befand sich bereits 305 Kilometer nordöstlich der Inselgruppe. Das Hurrikanzentrum stufte ihn auf einen Tropensturm herunter und teilte mit, er werde an Neufundland vorbei in den Nordatlantik ziehen. Zuvor hatte „Gonzalo“ in der östlichen Karibik eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Auf der niederländischen Insel St. Maarten kam ein Mensch ums Leben.

„Gonzalo“ ist binnen Kurzem der zweite tropische Sturm, der die Bermudas heimsucht. Nur wenige Tage zuvor war der Tropensturm Fay über die Inselgruppe gezogen und hatte Bäume und Strommasten umgeworfen. In der gesamten Atlantikregion, wo die Hurrikansaison im Juni beginnt und bis November dauert, ist „Gonzalo“ in diesem Jahr aber erst der siebte benannte Sturm. Die Namen der Wirbelstürme werden in alphabetischer Reihenfolge vergeben.

Der letzte größere Hurrikan hatte die Bermudas im September 2003 getroffen. Durch den Wirbelsturm „Fabian“ starben drei Polizisten und eine weitere Person, der Schaden betrug mehr als 100 Millionen Dollar.