Epidemie

WHO gibt Fehler bei Ebola-Bekämpfung zu

Staaten wollen Kampf gegen Epidemie verstärken. EU-Kommissionspräsident warnt vor „humanitärer Katastrophe“

Die Weltgesundheitsorganisation hat Fehler bei der Eindämmung des Ebola-Virus in Westafrika eingeräumt. Der Ausbruch sei unter anderem wegen einer falschen Einschätzung der Krankheit, nicht kompetenter WHO-Mitarbeiter vor Ort und interner Bürokratie nicht schnell genug in seiner Dimension erkannt und angegangen worden, heißt es im Entwurf eines Papiers der UN-Organisation. Gleichzeitig erklärte die WHO den Ebola-Ausbruch im Senegal am Freitag offiziell für beendet.

Die Teilnehmer des Europa-Asien-Gipfels in Mailand haben zu mehr internationaler Kooperation im Kampf gegen die Ebola-Epidemie aufgerufen. In der Abschlusserklärung zum Spitzentreffen wird die Ausbreitung des Virus als „ernsthafte Gefahr für die Gesundheit und Sicherheit auf der ganzen Welt“ bezeichnet. Es müsse eine umfassende und koordinierte Strategie gegen die Krankheit geben, heißt es in dem Dokument. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso warnte bei dem Spitzentreffen, die Epidemie könne zu einer „schwerwiegenden humanitären Katastrophe“ werden.

In Deutschland dringt der Bundestag auf weitere Hilfen für die betroffenen Staaten Westafrikas. Das Parlament forderte die Bundesregierung auf, Aufklärungs- und Hygienekampagnen in Afrika zu fördern. Außerdem soll untersucht werden, ob Deutschland die klinische Prüfung eines Impfstoffes gegen Ebola fördern und weitere Flugkapazitäten für den Transport von Geräten, Medikamenten und medizinischem Personal zur Verfügung stellen kann.

Einem Experten zufolge sind derzeit nur zehn der insgesamt etwa 50 Betten für Ebola-Patienten in deutschen Behandlungszentren gleichzeitig einsetzbar. Es könne maximal ein Fünftel der Patienten zur selben Zeit behandelt werden, sagte Tropenmediziner August Stich (Würzburg). Es sei aus personellen Gründen nicht möglich, dass „alle sieben Behandlungszentren auf Volldampf laufen und voll belegt sind“. Stich ist Sprecher des Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren.

Der Militäreinsatz der USA im Kampf gegen Ebola nimmt immer größere Dimensionen an: Bisher wurden 540 Soldaten nach Westafrika entsandt. „Jede Woche kommen mehr dazu“, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby. Insgesamt sollen mindestens 4000 US-Militärs in der Region zum Einsatz kommen. Die Soldaten sollen unter anderem logistische Unterstützung leisten und medizinisches Personal schulen. Auch in Afrika wächst die Unterstützung. Mehr als 600 Pflegekräfte, Ärzte und andere Helfer aus den Staaten der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) werden zum Einsatz in die Krisenregion entsandt. Das teilten die fünf EAC-Mitglieder Kenia, Uganda, Tansania, Ruanda und Burundi mit.

Indes lehnte US-Präsident Barack Obama Einreiseverbote für Menschen aus den Ebola-Krisenländern ab. Eine solche Maßnahme sei weniger effektiv als Tests an US-Flughäfen bei Reisenden aus Westafrika. Obama ernannte Ron Klain, den früheren Stabschef von Vizepräsident Joe Biden, zum Ebola-Koordinatoren. Mehrere Karibikstaaten wollen sich mit einem Einreiseverbot gegen Reisende aus Westafrika vor möglichen Ebola-Infektionen schützen. In Spanien traten am Freitag keine neuen Ebola-Fälle auf. Bei vier Verdachtsfällen ergaben erste Tests negative Befunde.