Historisch

Schottischer Rentner findet Wikingerschatz

Die wertvollen Silber-Gegenstände wurden über mehrere Jahrhunderte hinweg gesammelt

Derek McLennan hat viel Zeit, seinem Hobby nachzugehen. Der schottische Geschäftsmann im Ruhestand ist Amateur-Archäologe. Zeit ist das eine – er hatte aber auch großes Glück: Er fand einen Schatz mit mehr als 100 Kunstwerken aus dem Frühmittelalter. Fachleute sprechen von einem der wertvollsten Hortfunde, die je in dem Land gemacht wurden.

McLennan gelang sein Fund in Dumfriesshire im Südwesten Schottlands. Spezialisten vom schottischen Nationalmuseum in Edinburgh sagen, dass der Hort von Wikingern zusammengetragen wurde. Die Armbänder, Broschen, Gläser und Bestecke haben eine unterschiedliche Herkunft. „Es ist Material aus Irland, Skandinavien, verschiedenen Orten in Europa und aus einigen Jahrhunderten dabei“, sagt Stuart Campbell, Direktor des Nationalmuseums. Offenbar handelt es sich um das Ergebnis zahlreicher Raubzüge in einer Epoche, in der die Nordmänner die Küsten der Nord- und der Ostsee heimsuchten.

Mehrere Stücke werden bereits jetzt als sensationell eingestuft. Ein massives Silberkreuz mit Dekorationen aus Emaille sowie ein großer silberner Topf, der stilistisch ins Karolingerreich verweist. Wahrscheinlich handelt es sich um das größte Silbergefäß dieser Art, das je gefunden wurde. Eine Tasse aus Silber wird in die Endphase der römischen Herrschaft datiert.

Für Erstaunen sorgt der Fundort: nicht an der Küste, sondern im Landesinneren. Vermutlich stammt der Schatz aus Feldzügen, mit denen Wikingerfürsten wiederholt Schottland überzogen. In jener Zeit könnte ein Silberschatz als Kriegskasse ins Zentrum der Insel gelangt sein. „Als ich das erste Stück gefunden hatte, wusste ich erst nicht, was es war“, berichtet McLennan.Er habe es für einen Silberlöffel gehalten. Am Design habe er erkannt, dass es den Wikingern gehört haben müsse. „Dann sind meine Sinne explodiert, Endorphine haben mein System geflutet.“