Gewalt

Chaos in Mexiko

Deutscher Austauschstudent von Polizist angeschossen. Studenten zünden Verwaltungssitz an

Es sollte ein lustiger Ausflug an den Strand werden. Mit von der Partie der 25-jährige Kim K., ein deutscher Austauschstudent, der für ein Semester an die renommierte Hochschule Tec de Monterrey nach Mexiko-Stadt gekommen war, um Logistik und Projektmanagement zu studieren. Das Wochenende am Strand von Acapulco war ohne Zwischenfälle verlaufen, und offenbar hatten es die jungen Leute am Sonntag mit der Rückkehr in die Hauptstadt nicht eilig. Dann holte sie der Drogenkrieg ein. Entgegen der landläufigen Sicherheitsempfehlungen, in Mexiko nicht nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs zu sein, startete der Kleinbus erst am Abend.

Knapp fünf Stunden Rückfahrt lagen vor ihnen. Nach etwa einer Stunde, gegen 21 Uhr, passierten sie die Mautstelle südlich des Ortes Chilpancingo. Chilpancingo liegt wie auch Acapulco im Bundesstaat Guerrero, wo vor zwei Wochen 43 Studenten von Sicherheitskräften in Zusammenarbeit mit der Drogenmafia entführt und einige von ihnen ermordet wurden. Die Hintergründe der Tat sind bislang unklar; möglicherweise steckt ein Bürgermeister dahinter, der mittlerweile untergetaucht ist. Das brutale Vorgehen im Fall der 43 Studenten hatte landesweit Empörung und internationale Kritik ausgelöst. Seither herrscht in der Region extreme Nervosität, und eine Art Ausnahmezustand. In der Nacht zu Dienstag zündeten aufgebrachte Studenten einen Verwaltungssitz an. Sie fordern Aufklärung über das Schicksal der vermissten jungen Leute.

Der Kleinbus der Studenten, in dem auch Kim K. saß, war nun auf der Stadtautobahn unterwegs. Ganz in der Nähe hatte die Polizei kurz zuvor eine Entführerbande verfolgt; bei der Verfolgungsjagd war ein Polizist erschossen worden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hörten die Polizisten einen Knall, der einem Schuss ähnelte, und begannen, auf den Bus zu schießen. Dabei bohrte sich eine Kugel in K.s rechte Hüfte. Die Studenten flüchteten panisch in eine Tankstelle und versteckten sich auf der Toilette, wurden aber von den Polizisten eingeholt. Nachdem die Polizisten feststellten, dass keine Waffen in dem Bus waren und es sich wirklich um Studenten handelte, brachten sie K. in ein Hospital. Von dort wurde er mit einer Ambulanz und unter Begleitschutz in ein Krankenhaus nach Mexiko-Stadt transferiert.

Laut Staatsanwaltschaft wurden 20 Polizisten festgenommen und vernommen. Ihre Waffen wurden beschlagnahmt, der Bus wurde sichergestellt.