Justiz

Prozess in Pretoria: Hat Oscar Pistorius „Blutgeld“ geboten?

Nach der Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp hat der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius ihrer Familie laut Staatsanwaltschaft 34.000 Dollar angeboten.

Diese habe jedoch mit dem Hinweis, kein „Blutgeld“ zu wollen, abgelehnt, sagte Staatsanwalt Gerrie Nel am Dienstag in einer gerichtlichen Anhörung. Die Verteidigung plädierte erneut gegen eine Haftstrafe für Pistorius. Die Gefängnisse seien überfüllt und voller Gewalt, sagte Sozialarbeiterin Annette Vergeer als Vertreterin der Verteidigung.

Wegen seiner Behinderung und seines mentalen Zustands nach der Tötung seiner Freundin wäre Pistorius im Gefängnis einer besonderen Härte ausgesetzt, sagte sie am zweiten Tag der Anhörung, an deren Ende die Richterin das Strafmaß festlegt. Der zweifach unterschenkelamputierte Pistorius habe das Potenzial, wieder positiv für die Gesellschaft wirken zu können. Während seines Hausarrests könne der 27-Jährige zeitweise in einer Schule für behinderte Kinder arbeiten. Das wäre geeigneter als ein Gefängnisaufenthalt, der ihm nicht helfen, sondern ihn zerbrechen würde.

Richterin Thokozile Masipa hatte den Sprinter im September in einem umstrittenen Urteil für schuldig befunden, Steenkamp fahrlässig getötet zu haben. Jetzt muss sie entscheiden, ob der Sportler eine Bewährungsstrafe erhält oder für bis zu 15 Jahre ins Gefängnis muss. Es wird erwartet, dass die Anhörung rund eine Woche dauern wird. Pistorius hatte im Februar 2013 seine 29-jährige Freundin Steenkamp durch eine verschlossene Tür in seinem Haus mit mehreren Schüssen getötet. Staatsanwalt Nel monierte, Pistorius sei als „armes Opfer“ porträtiert worden. Er nahm Pistorius’ Manager Peet van Zyl ins Kreuzverhör. Dieser hatte bezeugt, Pistorius habe vor der Tat umfangreich Wohltätigkeitsveranstaltungen unterstützt. Durch die Tötung habe er all seine Produkt-Sponsoringverträge verloren.