Medizin

Ebola-Krise: Kritik an Sicherheitsregeln

Nach der Infektion einer Krankenschwester in Spanien gibt es noch drei weitere Verdachtsfälle

Nach dem ersten Ebola-Fall in Europa wächst die Sorge vor einer Ausbreitung der Seuche über Westafrika hinaus: In Madrid wurden am Dienstag drei weitere Menschen zur Beobachtung in eine Klinik eingewiesen. Erst am Montag war bekannt geworden, dass sich eine 40-jährige Krankenschwester der Madrider Klinik Carlos III bei zwei aus Westafrika zurückgekehrten Missionaren mit dem hoch ansteckenden Virus infiziert hat. Es ist die erste Übertragung des gefährlichen Erregers innerhalb Europas.

Bei den neuen Verdachtsfällen handele es sich um den Ehemann der 40-Jährigen, eine weitere Krankenschwester und einen kürzlich aus dem Ausland nach Spanien zurückgekehrten Mann, sagten Vertreter der spanischen Gesundheitsbehörden. Bislang hatten es Experten für unwahrscheinlich gehalten, dass sich Menschen außerhalb Afrikas mit dem tödlichen Ebola-Virus infizieren könnten und auf die weitaus besseren Hygienestandards und Schutzmöglichkeiten verwiesen.

Spaniens Gesundheitsministerin Ana Mato musste bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz eingestehen, dass noch unklar sei, wie es trotz der Sicherheitsmaßnahmen zu einer Ansteckung der 40-jährigen Krankenschwester kommen konnte. Sie kündigte einen Notstandsplan an, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Besorgt zeigte sich auch die EU-Kommission. Sie forderte Spaniens Gesundheitsminister auf, für Aufklärung des ersten Ansteckungsfalls in Europa zu sorgen. Es sei „offensichtlich, dass es irgendwo ein Problem gibt“, sagte ein Kommissionssprecher am Dienstag.

Die nun erkrankte Krankenschwester hatte im Madrider Klinikum Carlos III die Missionare Miguel Pajares und Manuel García Viejo betreut. Dabei soll sie das betreffende Zimmer der Quarantänestation nur zweimal betreten haben und dabei auch einen Schutzanzug getragen haben. Die spanischen Behörden hatten stets versichert, dass die Überführung der beiden, an Ebola erkrankten Männer nach Madrid keine Gefährdung für Klinikpersonal und Bevölkerung darstelle. Beide Missionare sind inzwischen verstorben.

Die Frau, die seit 15 Jahren in der Klinik arbeitet, wird dort nun ebenfalls auf einer abgeschlossenen Station behandelt, im sechsten Stock, wo auch Miguel Pajares versorgt wurde. Ihr Zustand sei stabil, berichtete die Klinik. Wie es heißt, erhält sie Antikörper eines zuvor erfolgreich behandelten Patienten.

Unter Beobachtung stehen ebenfalls weitere 30 Pfleger und Krankenschwestern, die die beiden Geistlichen betreut hatten. Die Krankenpflegergewerkschaft spricht hingegen von mindestens 60 Menschen, die überwacht werden. „Die Wahrscheinlichkeit von Infektionen ist gering, aber sie existiert“, räumte Fernando Simón, Chef der Notfallzentrale des Gesundheitsministeriums, gegenüber dem Radiosender Cadena Ser ein.

Die Madrider Behörden versuchen nun herauszufinden, mit wem die Infizierte in Berührung gekommen ist, bevor sie einen Arzt aufsuchte. Der Missionar García Viejo, der sich in Sierra Leone mit Ebola angesteckt hatte, war am 25. September verstorben. Anschließend hatte die Krankenschwester, die aus Galizien stammt und deren Name nicht bekannt gegeben wurde, erst einmal Urlaub genommen. Wohin sie fuhr und was sie tat, ist noch unbekannt. Medienberichten zufolge meldete sie sich am 30. September bei Ärzten, weil sie zunächst leichtes Fieber hatte. Sie wurde aber wieder nach Hause geschickt, weil die Sicherheitsmaßnahmen erst greifen, wenn das Fieber 38,6 Grad überschreitet. Nur weil die Frau insistierte, wurden dann doch zwei Bluttests durchgeführt. Beide fielen positiv aus.

Die Tageszeitung „El Pais“ erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Klinikleitung. Demnach hat die Sicherheitsstufe der Schutzanzüge, die die Pfleger bei der Behandlung der Missionare trugen, nicht ausgereicht. So sei die Atmungsfunktion innerhalb der Anzüge mangelhaft gewesen, sollen die Handschuhe aus Latex lediglich mit einem Klebeband befestigt worden sein.

Die Gewerkschaft beklagte, die Leitung des Krankenhauses Carlos III habe die Beschäftigten überdies nur unzureichend auf ihre Arbeit vorbereitet. Das Pflegepersonal habe zur Information lediglich einen 15-minütigen Vortrag erhalten. Schon vor Wochen hatten die Arbeitnehmervertreter gewarnt, Spanien verfüge nach Kürzungen im Gesundheitssystem nicht über die nötigen Mittel, um Ebola-Patienten zu versorgen.