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Gérard Depardieu: „Ich war Callboy“

In der Autobiografie berichtet der Schauspieler von seiner Kindheit

Zuletzt sorgte er vor allem für Skandale: Er fiel betrunken vom Motorroller, urinierte im Flugzeug und feierte seine Freundschaft mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Nun legt Schauspieler Gérard Depardieu in seiner Autobiographie „Ça c'est fait comme ça“ („Es kam so“) auf 172 Seiten eine umfassende Lebensbeichte ab. Schonungslos schildert der 65-Jährige die ärmlichen Verhältnisse, in denen er im rund 300 Kilometer südlich von Paris gelegenen Châteauroux aufwuchs.

„Meine Großmutter wohnte am Ende der Startbahn von Orly“, erzählt Depardieu. „Sie war Toilettenfrau in Orly, wo ich meine Ferien verbrachte, als ich Kind war.“ Das habe er geliebt, denn die Durchsagen für die Flüge brachten ihn zum Träumen. Damals habe er sich gesagt: „Eines Tages wirst du auch dahin fliegen, auch dort sein.“

In der Haft kam die Erkenntnis

Zugleich enthüllt der „Asterix-und-Obelix“-Star, dass seine Mutter Lilette versucht hat, ihn abzutreiben, weil sie geschockt darüber war, dass ihr Vater mit ihrer Schwiegermutter ein Verhältnis hatte. Vor allem aber verbindet Depardieu mit seiner Kindheit den Geruch gekochter Lunge – und den der Armut. Seine Familie habe in zwei Zimmern gehaust. „Eine Baracke, wo es nach Armut roch. Denn wir haben uns nicht gewaschen.“ Die Schule habe er schon mit zehn Jahren abgebrochen, weil man ihn zu Unrecht beschuldigt habe, das Sparschwein des Lehrers geklaut zu haben, schreibt er. Danach habe er angefangen zu klauen und auf die eindeutigen Angebote von Männern mit einer Preisforderung zu antworten. „Dass ich Homosexuellen gefalle, habe ich schon gewusst, als ich sehr jung war.“ Depardieu geriet danach immer mehr auf die schiefe Bahn. Mit 16 Jahren musste er drei Wochen ins Gefängnis, weil er ein Auto gestohlen hatte. Kein richtiger Diebstahl, sagt er. Eher ein Ausleihen.

Tatsächlich habe er dem Aufenthalt eine Erkenntnis zu verdanken, die sein Leben verändert habe. Denn der Gefängnispsychologe sagte ihm, er habe die Hände eines Bildhauers. „Wenn dieser Mann mir sagt, dass er in mir einen Bildhauer, einen Künstler sieht, dann bedeutet das sicher, dass ich mehr Wert bin als der Dieb, dessen Kleider ich gerade dabei war anzulegen“.