TV–Kritik

Günther Jauch und das Drama der Flüchtlinge

Sie sind zu einem Menetekel geworden, die Bilder aus dem siegerländischen Flüchtlingsheim von Burbach.

Manch einen hat die dokumentierte Demütigung der Insassen an den Folterskandal in Abu Ghraib erinnert, jenem berüchtigten Gefängnis im Irak, das zum Kainsmal des amerikanischen Kriegs gegen den Terror wurde. Bei Günther Jauch kam mit Jens Krause am Sonntagabend ein ehemaliger Wachmann aus Burbach zu Wort, der die traurige Parallele eher unterstreichen als ausräumen wollte. Er sprach vor allem von dem „Problemraum“, der eigentlich dafür eingerichtet worden war, übergriffige und gewalttätige Insassen von den anderen zu separieren oder einfach ihren Rausch ausschlafen zu lassen. Dort waren die Aufnahmen zustande gekommen, die dann um die Welt gehen sollten - auch jene, in denen ein Flüchtling dazu genötigt wurde, in seinem Erbrochenen zu übernachten.

Mehrfach sprach Krause von den „menschenunwürdigen Zuständen“, die sich in der Flüchtlingsunterkunft schon lange bemerkbar gemacht hätten. Krätze, Masern und Windpocken hätten sich dort ausgebreitet, ein Arzt sei für 800 Menschen zuständig gewesen und habe nur einmal die Woche Zeit für die Flüchtlinge gehabt. Dass die unqualifizierten und psychologisch offenbar nicht ausreichend geschulten Arbeitskräfte eines Subunternehmers von den Zuständen überfordert waren und in gewalttätige Exzesse getrieben wurden, bezeichnete die Syrerin Maya Alkhechen nüchtern als „wenig erstaunlich“. Das sei nur eine Frage der Zeit gewesen.

Die Konsequenzen? Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) sah keine Gründe für einen Rückzug und gerierte sich als Aufklärer. Doch der Rest der Sendung machte klar, dass auch andere Kommunen von der Lage überfordert sind. Je länger der Krieg in Syrien und im Irak dauert, desto dramatischer wird dort die Situation.