Erfindung

17-Jähriger entwickelt „intelligente“ Pistole

Vor Missbrauch geschützt: Ein Sensor lässt nur den Eigentümer feuern

Wer die Zahlen über die Opfer von Waffengewalt in Amerika liest, kann es mit der Angst zu tun bekommen. Jedes Jahr sterben mehr als 31.000 Menschen durch die Kugel einer Pistole oder eines Gewehrs. Im Schnitt sind das jeden Tag etwa 86 US-Bürger. Unter den Opfern sind immer mehr Kinder, etwa 1500 unter 18 Jahren. Die meisten von ihnen kommen bei Unfällen wie beim Spielen mit einer geladenen Waffe ums Leben. Immer wieder werden Minderjährige aber auch Opfer von Amokläufen an Schulen.

Das Entsetzen im Land ist nach jedem dieser Amokläufe groß. Doch Forderungen nach strengeren Waffengesetzen verschwinden meist schnell wieder aus den Schlagzeilen. Die mächtige, 4,3 Millionen Mitglieder zählende Waffenlobby NRA konnte das in der US-Verfassung verankerte Recht auf Waffenbesitz bis jetzt verteidigen.

Die Zahl der Toten drastisch reduzieren könnte womöglich die Erfindung eines 17 Jahre alten US-Schülers. Denn Kai Kloepfer aus Boulder in Colorado hat eine „intelligente“ Waffe erfunden, die über einen Sensor einprogrammierte Fingerabdrücke liest und es so nur ihrem wirklichen Besitzer erlaubt, einen Schuss abzufeuern.

Unfälle unter Kindern, die beim Spielen den Revolver des Vaters aus dem Schrank holen und aus Versehen ihre Geschwister oder Freunde damit töten, sind dadurch nicht mehr möglich. Auch Waffendiebe würden nicht mehr schießen können und Amokläufe an Schulen, bei denen sich die Attentäter die Waffen von zu Hause besorgen, würde es auch nicht mehr geben.

Auf die Idee für den Sensor kam Kloepfer nach dem Amoklauf in Aurora. In dem Vorort von Denver hatte der 24 Jahre alte James Holmes am 20. Juli 2012 in einem Kino zwölf Menschen getötet. „Der Amoklauf fand nur eine Autostunde von mir entfernt statt“, erinnert sich Kloepfer. Er entwickelte mehrere Vormodelle, die er dann 2013 zum ersten Mal bei einem Technologie-Wettbewerb vorstellte. Kloepfers Arbeit gehörte laut der Jury zur Top-Kategorie der 34 besten Arbeiten von sieben Millionen Schülern weltweit.

Doch erst als Kloepfers Eltern ihrem Sohn einen 3-D-Drucker schenkten, kam der Durchbruch. Damit konnte der Erfinder, der mit 17 keine richtige Waffe kaufen oder besitzen darf, sich eine Beretta Px4 Storm-Pistole aus Plastik drucken. Dann baute er den Fingerabdruck-Sensor ein. Der Prototyp kostete 3000 Dollar. „Es funktioniert in 99,99 Prozent der Fälle“, sagt Kloepfer. „Der Sensor kann 999 Fingerabdrücke lesen.“ Genug, um die Waffen eines Polizeidistrikts oder einer Armeeeinheit vor Missbrauch zu schützen.

Die Smart Tech Challenges Foundation, eine Stiftung für Waffensicherheit, zeigte sich von der Erfindung begeistert und fördert das Projekt mit 50.000 Dollar. Damit kann Kloepfer den Sensor weiterentwickeln und ihn auch an richtigen Waffen testen.