Epidemie

Bundeswehr soll gegen Ebola kämpfen

Gesundheitsexperte sieht Gefahr der Ausbreitung nach Westeuropa

Nach der Zusage des US-Präsidenten Barack Obama, Militärpersonal zur Ebola-Bekämpfung nach Westafrika zu schicken, beginnt eine ähnliche Diskussion in Deutschland. Auch die Bundeswehr prüfe, ob sie logistische Hilfe leisten könne, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Mittwoch in Berlin. Die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz berichtete, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe der Präsidentin von Liberia, Ellen Johnson Sirleaf, Unterstützung auf verschiedenen Ebenen angeboten. Dazu könnten Flugtransporte und Hilfe beim Aufbau von Krankenstationen gehören.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert radikale Maßnahmen im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika. Die Situation dort sei komplett außer Kontrolle geraten, sagte Lauterbach am Mittwoch im Deutschlandfunk. Das Zeitfenster, in dem sich die Epidemie noch bekämpfen lasse, drohe sich zu schließen. Wenn sich das Virus verändere, sei es nicht ausgeschlossen, dass sich die Epidemie auch über die Luft übertrage. Dies könnte zu einer Bedrohung über Westafrika hinaus werden, sagte der für Gesundheit zuständige Vizefraktionschef der SPD im Bundestag. Er kündigte zusätzliche Hilfe der Bundesregierung an. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) würden darüber beraten.

Lauterbach begrüßte die Entscheidung des US-Präsidenten Barack Obama, im Kampf gegen Ebola 3000 militärische Angestellte, darunter Ärzte, Sanitäter und Logistikexperten, nach Westafrika zu schicken. Nach Obamas Zusage hat der US-Senat am Dienstag über Art und Höhe der Hilfe beraten. Die USA verfügten über ausreichend medizinisches Personal für einen derartigen Einsatz, sagte Lauterbach. Ob auch die Bundeswehr in Westafrika zum Einsatz kommen könnte, müsse geprüft werden, so der SPD-Politiker.

Auch die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat am Mittwoch den Einsatz der Bundeswehr und des deutschen Katastrophenschutzes gefordert. Die finanzielle Unterstützung von vor Ort ansässigen Organisationen reiche nicht aus, erklärte die deutsche Sektion der Hilfsorganisation. Notwendig seien „Ressourcen zum Aufbau und Betrieb von Isolierzentren, insbesondere ausgebildetes Personal sowie Labor- und Transportkapazitäten“. Das betreffe zivile, aber auch militärische Teams.