Geburtstag

Der ängstliche Bergsteigerkönig wird 70

Reinhold Messner will 2015 als letztes Abenteuer den Yeti finden

Viele 70-Jährige feiern ihren runden Geburtstag in einer Gastwirtschaft – Reinhold Messner hingegen will seinen am kommenden Mittwoch anstehenden Festtag im Schlafsack in den Bergen begehen. Mit Freunden zusammen will er ein Biwak aufschlagen und den freien Blick auf die Sterne genießen – der bis heute unerreichte Bergsteigerkönig fühlt sich auch im zunehmend gesetzten Alter noch auf den Bergen am Wohlsten.

Feiern darf der am 17. September 1944 geborene Messner vor allem, dass er überhaupt noch lebt. Der „Bild“-Zeitung erzählte er kürzlich, wie riskant sein Leben war. Von seinen Kletterpartnern lebe nicht mal mehr die Hälfte, „sechs, sieben Leute, mit denen ich die großen Abenteuer angepackt habe“, habe er durch tödliche Unfälle verloren. „Das ist hart, die Formel 1 ist nichts dagegen.“ Dass er alle Gefahren heil überstanden hat, führt er auf seine Angst zurück. „Ohne Angst würde ich nicht mehr leben. Angst ist ja die andere Hälfte des Mutes, Angst und Mut sind ein unteilbares Ganzes“, sagte Messner der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Sein erster großer Kletterpartner wurde sein zwei Jahre jüngerer Bruder Günther – er steht auch für Reinhold Messners großes Lebensdrama. 1970 schafften die beiden zusammen die Erstbesteigung der Südwand des Nanga Parbat. Doch beim Abstieg stürzte sein Bruder ab und starb. Die Umstände des Todes gelten bis heute als unklar. Messner suchte jahrelang nach der Leiche Günthers und fand sie 2005 schließlich auch. Doch seine damaligen Gefährten zweifeln seine Darstellung des Dramas bis heute an. Messner selbst sagt inzwischen, „es war die größte bergsteigerische Leistung meines Lebens und gleichzeitig meine größte Niederlage.“

An seinem Streben nach immer neuen Höhen änderte die Tragödie aber nichts. Als erster Mensch bestieg er 1978 den Mount Everest ohne Sauerstoff. Und als bis heute einziger Mensch hat er alle 14 Achttausender ohne Sauerstoffmaske bezwungen, dieses bergsteigerische Meisterwerk gelang ihm von 1970 bis 1986. Außerdem durchquerte er als erster Mensch zusammen mit dem Abenteurer Arved Fuchs zu Fuß die Antarktis und durchwanderte auch die Wüste Gobi.

Messner hat zwar die großen Abenteuer beendet, doch mit seinem 18-jährigen Sohn Gesar Simon geht er auf kleinere Expeditionen. Sein Sohn stammt aus der langjährigen Beziehung mit der Textildesignerin Sabine Stehle, die Messner 2009 nach 25-jähriger „wilder Ehe“ heiratete. Das Paar hat zudem zwei Töchter, aus einer früheren Verbindung hat Messner eine weitere Tochter. Der vielseitige Abenteurer lebt mit seiner Familie auf der Burg Juval im Südtiroler Vinschgau, betreibt auch einen Bauernhof zur Selbstversorgung und eröffnet demnächst sein sechstes Museum. Kommendes Jahr will sich Messner einmal auf die Suche nach dem Yeti machen.