Justiz

Sexualstraftäter in Belgien erstreitet Recht auf Sterbehilfe

Um seinen „unerträglichen psychischen Qualen“ in der Haft ein Ende zu setzen, hat ein belgischer Sexualstraftäter das Recht auf Sterbehilfe erhalten.

Der 52-Jährige, der wegen mehrfacher Vergewaltigung und Mordes seit 30 Jahren im Gefängnis sitzt, erfülle die rechtlichen Voraussetzungen, sagte sein Anwalt Jos Vander Velpen im belgischen Fernsehen. Das Justizministerium bestätigte, dass der Mann in einer Klinik seinem Leben ein Ende setzen dürfe. Der Anwalt sagte, sein Mandant werde in wenigen Tagen aus dem Gefängnis in Brügge in ein Krankenhaus verlegt. Mehrere Ärzte und Psychiater hätten bestätigt, dass sein Mandant „dauerhaft leidet und es nichts gibt, das seine Leiden lindern könnte“.

Der verurteilte Straftäter betrachtet sich selbst als Gefahr für die Gesellschaft und will daher nicht freigelassen werden. Zugleich bezeichnet er seine Haftbedingungen aber als unmenschlich und hat gemäß einem Gesetz aus dem Jahr 2002 beantragt, in einer niederländischen Spezialklinik behandelt zu werden oder Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Die Justiz entschied jedoch, dass er nicht in die Niederlande gebracht werden könne. In Belgien gibt es bisher keine entsprechende Spezialklinik. Allerdings wurde der Mann darüber informiert, dass demnächst eine neue psychiatrische Einrichtung eröffnen werde, in der er behandelt werden könne. Der Häftling entschied jedoch, dass er sterben will. In der Klinik will er zwei Tage mit Angehörigen verbringen, bevor er mit ärztlicher Hilfe aus dem Leben scheidet. „Ich bin ein Mensch und was auch immer ich getan habe, ich bleibe ein Mensch“, hatte der Häftling selbst vor einiger Zeit im Fernsehsender VRT gesagt.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz reagierte mit Unverständnis auf die Entscheidung der belgischen Behörden. „Es gibt keine objektiven Kriterien für ein Recht auf Tötung“, sagte Vorstand Eugen Brysch am Dienstag. Dies zeige, was passiere, wenn der Staat keine adäquaten Therapieangebote bereitstelle.