Seuche

Eine Stadt in Angst

Ebola-Ausbruch in Nigeria befürchtet. Bundesregierung will Experten nach Afrika senden

Es liegt eine gewisse Unruhe in diesen Tagen über Port Harcourt, der Drehscheibe für das Öl-Geschäft im Niger-Delta. Seit bekannt wurde, dass ein Arzt sich trotz eigener Ebola-Infektion noch seinen Patienten widmete und insgesamt zu mehr als 200 Menschen Kontakt hatte, herrscht Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des potenziell tödlichen Virus. Bei zwei Menschen – der Frau des Arztes und einer weiteren Frau – wurde das Virus bereits nachgewiesen. Alle Fälle in Nigeria gehen auf einen einzelnen Fluggast aus Liberia zurück: Der Regierungsberater war im Juli in die Millionen-Metropole Lagos geflogen, am Flughafen zusammengebrochen und einige Tage später gestorben. Sofort hatten sich mehrere Menschen angesteckt. Schlimm genug, doch zumindest blieb der Ausbruch von Ebola im Land zunächst auf wenige Fälle in Lagos beschränkt.

Doch nun rückt mit Port Harcourt eine weitere Stadt in den Fokus. Und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt wegen der vielen Kontaktpersonen des Arztes, dass dieser Ausbruch größer und schneller ausfallen könnte als jener in Lagos. Das Beispiel könnte zudem schlechte Schule machen, fürchten einige. „Wenn ein Arzt vollkommen unverantwortlich handelt, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass Tausende andere genauso handeln“, sagte ein Bewohner von Port Harcourt.

Mehr als 200 Kontaktpersonen stünden unter Beobachtung, schreibt die WHO. Bei 60 davon besteht demnach ein hohes bis sehr hohes Infektionsrisiko. Mittlerweile hat die Organisation eine Isolierstation mit 26 Betten in Port Harcourt eingerichtet und 15 Experten entsandt, die die Arbeit des Gesundheitsministeriums unterstützen sollen. Ob all das hilft, entscheiden am Ende auch die Patienten mit einem verantwortungsbewussten Umgang mit der Krankheit.

Die Bundesregierung will im Kampf gegen die Epidemie deutsche Infektionsschutzexperten zur Umsetzung eines Trainingsprogramms nach Afrika entsenden. Mit Hilfe der Experten solle „das medizinische Personal in den Krankenhäusern im Umgang mit hochansteckenden Krankheiten wie Ebola geschult“ werden, sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe der „Rheinischen Post“. Es gehe darum, „eine Ebola-Erkrankung schnell zu erkennen, die Patienten gut und sicher zu versorgen und dafür zu sorgen, dass eine weitere Ansteckung vermieden wird“.

Sierra Leone kündigte eine dreitägige Ausgangssperre für das gesamte Land an. Alle Bürger sollen am 19., 20. und 21. September zu Hause bleiben. Die Daten seien so gewählt, dass die Bürger genügend Zeit zum Anlegen von Vorräten hätten. Einige Experten bezweifeln allerdings, dass eine solche Maßnahme hilft.