Tierquälerei

Chef misshandelt Tier – und erhält eine Kündigung

Im Netz verbreitet sich ein Video von einem Mann, der im Aufzug einen Hund tritt. Daraufhin entlässt die Firma den Boss fristlos

Ein Mann steht im Fahrstuhl, neben ihm am Boden sitzt ein Hund. Plötzlich, ganz ohne Grund, tritt er auf das Tier ein. Dann zerrt er an der Leine – so brutal, dass der Hund daran in die Luft geschleudert wird. Es sind nur wenige Sekunden, bevor sich die Tür wieder öffnet und er – als wäre nichts gewesen – mit dem Tier aus dem Aufzug steigt.

Dieses Video, aufgenommen Ende Juli von der Überwachungskamera eines Hotels in Vancouver in Kanada, verbreitete sich rasend schnell in den sozialen Netzwerken. Ein Hotelangestellter hatte eine Kopie der Aufzeichnung an eine Tierschutzorganisation geschickt, die Zeitung „U-T San Diego“ berichtete als erstes US-Medium über den Fall – und identifizierte Opfer und Tierquäler. Der Mann: Desmond Hague, Chef des internationalen Unternehmens Centerplate. Das Tier: Sade, eine ein Jahr alte Dobermann-Pinscher Hundedame. Der Multimillionär Hague ist seit 2009 Geschäftsführer des milliardenschweren Catering-Unternehmens mit etwa 30.000 Mitarbeitern – bis die Aufzeichnung an die Öffentlichkeit gelangte. Denn die Firma bestätigte schon kurz darauf seine fristlose Entlassung – „wegen eines persönlichen Fehlverhaltens gegenüber einem Tier in seiner Obhut“, begründeten sie ihre Entscheidung.

Auf Twitter teilte Centerplate außerdem mit: „Wir wollen unterstreichen, dass wir es weder hinnehmen noch darüber hinwegsehen, wenn Tiere misshandelt werden.“ Es sei ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, sagt auch der deutsche Arbeitsrechtler Alexander Haasler. Recht so, finden nicht nur Tierschützer. Sogar eine Petition für die Entlassung des „teuflischen Tierquälers“, wie ihn Internetuser betitelten, wurde auf der Internetseite change.org organisiert: 180.000 Unterschriften waren gefordert, am Ende kamen sogar 190.000 zusammen.

Während Centerplate die firmeneigene Facebook-Seite und Hague seinen Twitter-Account wegen harscher Anfeindungen schlossen, geht die Meinungsmache gegen den Mann auf der change.org-Seite weiter. Ein User wünscht sich, ihn einmal genauso, wie er den Hund im Video tritt, „aus einem Fahrstuhl zu kicken“. Ein anderer kommentiert: „Der wahre Charaktertest findet dort statt, wo jemand unbeobachtet handelt.“ Hague entschuldigte sich derweil: „Ich übernehme die volle Verantwortung für mein Handeln, dieser Vorfall ist total daneben und beschämt mich zutiefst“, sagte er.

Die Ankündigungen des Unternehmens, 1000 Sozialstunden von Hague zu verlangen sowie 100.000 Dollar an eine Tierschutzorganisation zu spenden, reichten nicht aus, um das Image des angeschlagenen Chefs zu retten. Am Ende blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Mann fristlos zu entlassen, vor allem um das Firmenimage zu retten.

Immenser Schaden

„Dieser Vorfall wäre auch in Deutschland Grund genug, einem Geschäftsführer die Kündigung vorzulegen“, sagt Arbeitsrechtler Haasler. Und dabei ginge es natürlich nicht nur um die persönliche Meinung. „Verstöße wie diese schaden einem Unternehmen immens.“ Hague hatte eine repräsentative Funktion bei Centerplate besetzt. „Wäre er lediglich Angestellter der Firma gewesen, wäre es – zumindest in Deutschland – nicht, und wenn, nur schwer, zur fristlosen Entlassung gekommen“, sagt er. Vorstände und Geschäftsführer unterlägen dagegen keinem Kündigungsschutz. „Ein Geschäftsführer ist ein Organ der jeweiligen Gesellschaft – die Zusammenarbeit basiert auf Vertrauen. Sobald dieses missbraucht wird oder wie hier eine messbare Ansehensschädigung für ein Unternehmen vorliegt, ist die fristlose Kündigung möglich.“

Bei regulären Arbeitnehmern bestehe in Deutschland eine strikte Trennung zwischen privater Lebensführung und Arbeit. „Dieser Verstoß im Privatleben gegen das Tierschutzgesetz wäre also grundsätzlich kein Grund, den Angestellten aus dem Unternehmen zu schmeißen.“ Zumindest müsse in so einem Fall immer der Einzelfall betrachtet und ein Bezug zum Arbeitsverhältnis hergestellt werden: „Wie sehr beeinflusst der private Vorfall tatsächlich auch das Arbeitsverhältnis?“, sagt Haasler. In den USA hingegen werde das lockerer gehandhabt.