Gesundheit

Neue Ebola-Erkrankungswelle im Süden Nigerias befürchtet

Nancy Writebol und ihr Mann David arbeiteten jahrelang als Missionare in Afrika. Als die Ebola-Epidemie ausbrach, halfen die beiden Amerikaner in einem Krankenhaus in Monrovia, der Hauptstadt Liberias.

Nancy infizierte sich mit dem häufig zum Tode führenden Virus–und überlebte. Von den Zuständen vor Ort sind die beiden entsetzt: Die Krankenhäuser seien völlig überfordert, es fehle an Ärzten, Pflegepersonal, Schutzausrüstung und Versorgungsgütern. Mittlerweile sind an dem in Westafrika grassierenden Virus nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 1900 Menschen gestorben. In fünf westafrikanischen Ländern erkrankten weitere 3500 Menschen. Die WHO rechnet mit einer starken weiteren Ausbreitung.

Die Prognose wird durch die Aussagen der Writebols belegt. Das Krankenhaus in Monrovia, das von der US-Wohltätigkeitsorganisation Sim betrieben wird, werde von Patienten regelrecht überschwemmt, erzählten sie. Die Herausforderungen für das Hospital seien zu hoch, als dass es diese alleine bewältigen könnte. Die mehr als 250 Mitarbeiter des Krankenhauses und der Ebola-Station mit ihren 50 Betten nutzten jede Woche Tausende Schutzanzüge. Diese reichten aber bei Weitem nicht aus. Andere Mitarbeiter im Gesundheitswesen in westafrikanischen Krankenhäusern würden für besseren Schutz streiken, sagte David Writebol, der beim Aufbau der Krankenhaustechnik half.

Die WHO erklärte, mindestens 600 Millionen Dollar (456 Millionen Euro) würden dringend benötigt, um diese Ausrüstungen und weitere Versorgungsgüter bereitzustellen. Außerdem brauche man eine Extragefahrenzulage, damit mehr Ärzte und Pfleger bereit wären, ihr Leben zu riskiere. In Nigeria drohe zudem eine neue Welle von Ebola-Erkrankungen. In der Hafenstadt Port Harcourt im Südosten des Landes seien bisher drei Fälle bestätigt, teilte die WHO mit. Entscheidend für die Verbreitung war die Infektion eines Arztes, der nach seiner Erkrankung noch Patienten operierte und vermutlich mit Dutzenden Menschen Kontakt hatte. Der Ausbruch in der Hafenstadt habe das Potenzial, sich schneller zu verbreiten als die Welle in der Metropole Lagos, wo das Virus zuerst auftrat. Bei dem Arzt, seiner Frau und einem Menschen in seiner Klinik wurde der Ebola-Erreger bestätigt.