Medizin

Eltern wollen neues Herz erzwingen

Krankes Kind wartet auf Transplantation. Ärzte lehnen Eingriff wegen Behinderung ab

Yavuz und Sennur Dönmez kämpfen um das Leben ihres Sohnes, und notfalls tun sie das auch vor Gericht. Wegen eines Herzfehlers braucht der 22 Monate alte Muhammet Eren dringend eine Organtransplantation. Behandelt wird er derzeit im Kinderherzzentrum in Gießen. Wegen eines Hirnschadens wollen die Ärzte den Jungen aber nicht auf die Warteliste setzen. Da bisher auch kein anderes Transplantationszentrum zur Aufnahme bereit ist, denken die Eltern nun über rechtliche Schritte nach.

Im deutschen Grundgesetz heiße es, alle Menschen seien gleich, sagt der Vater des Jungen, Yavuz Dönmez. „Ich werde alles versuchen und auch alle rechtlichen Wege gehen.“ Für ihn sei das Wichtigste, dass sein Sohn lebe. Muhammet Eren war Ende März aus Istanbul nach Gießen gebracht worden, die Spezialisten des Kinderherzzentrums hatten die Transplantation zugesagt. 400.000 Euro Spenden haben die Eltern dazu eingeworben. Doch kurz vor der Abreise nach Deutschland streikte das Herz des Kleinkindes, und es musste in Gießen an die Apparate angeschlossen werden, die es bis heute am Leben halten. Die schockierende Diagnose kam einige Wochen später: irreversibler Hirnschaden, Transplantation ausgeschlossen. Dagegen kämpfen die Eltern. Ihr Kind mache Fortschritte und atme wieder selbstständig, obwohl die Ärzte dies für unmöglich erklärt hätten. „Er hat bewiesen, dass er leben möchte, und wir lassen ihn nicht einfach sterben“, sagt Yavuz Dönmez. Die Hoffnung auf ein anderes Transplantationszentrum haben die Eltern noch nicht aufgegeben.

Die Eltern sehen ihren Sohn in Gießen am besten versorgt. Dem Uniklinikum machen sie aber Vorwürfe. Die Ärzte hätten seinen Sohn früher nach Deutschland holen müssen, sagt Yavuz Dönmez. Auch, dass Wochen vergingen, bevor der Hirnschaden diagnostiziert wurde, kritisiert der 35-Jährige: „Warum haben sie das nicht gleich gesagt? Dann hätten wir noch das Geld gehabt und wären in ein anderes Krankenhaus gegangen.“ 540.000 Euro habe die Rechnung Ende Juli betragen.

Das Uniklinikum weist die Vorwürfe zurück. Die Behandlung werde so abgerechnet, als würde ein gesetzlich versicherter Patient behandelt. Dass die Aufnahme auf die Warteliste abgesagt worden sei, liege daran, dass der Hirnschaden den langfristigen Erfolg der Transplantation infrage stelle. Zudem bestehe der Verdacht einer angeborenen Herzmuskelschwäche. In einem solchen Fall untersagten das Transplantationsgesetz und die entsprechenden Richtlinien die Aufnahme auf die Warteliste.