Untersuchungen

Missbrauchsskandal: Opfer brechen ihr Schweigen

Im Missbrauchsskandal in der englischen Stadt Rotherham haben weitere der 1400 Opfer über die Taten gesprochen.

Seit Anfang der Woche ein Untersuchungsbericht öffentlich machte, was sich über 16 Jahre in der 260.000-Einwohner-Stadt im Norden Englands ereignete, melden sich immer mehr Frauen zu Wort, denen lange niemand zugehört hat. Sie beschreiben grauenhafte Verbrechen, die viel gemeinsam haben: Meist kommen die Opfer aus sozial schwachen Familien, die Täter stammen größtenteils aus Pakistan.

Und alle Mädchen fühlen sich im Stich gelassen von den zuständigen Behörden. Sie berichteten, wie sie von älteren Männern sexuell ausgebeutet wurden und erzählen von der Tatenlosigkeit der Polizei angesichts der Verbrechen.

Eine Anwaltskanzlei, die 17 der Opfer vertritt, hat Schadenersatzverhandlungen eingeleitet. Man sei zuversichtlich, außergerichtliche Einigungen mit der Polizei und dem Jugendamt zu erzielen, berichtete die Zeitung „South Yorkshire Times“ am Donnerstag. Die Anwälte hatten bereits vor der Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes 17 Mädchen vertreten, zwei weitere hätten sich nun angeschlossen. „Wir können nachweisen, dass die Kommunalverwaltung und die Polizei Informationen nicht nachgegangen sind, die zur Festnahme von Tätern hätten führen können“, sagte einer der Anwälte. Andere mutmaßliche Opfer bestätigten diese Darstellung. „Die Polizei sagte, ich lege es ja darauf an, und dass ich mir selbst keine Gefallen tun würde, wenn ich mit diesen Typen abhänge“, berichtete eine heute 22 Jahre alte Frau am Donnerstag. Eine weitere Frau haben die Ermittler nur gefragt: „Und was erwartest du jetzt von uns?“ Sie war damals 16.

Zwischen 1997 und 2013 waren in der nordenglischen Stadt etwa 1400 Kinder missbraucht und sexuell ausgebeutet worden. Eine unabhängige Untersuchung hatte das Ausmaß des Skandals am Dienstag öffentlich gemacht und schwere Vorwürfe gegen Kinderschutz-Einrichtungen und die Polizei erhoben.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass in die sexuelle Ausbeutung auch ein 27 Jahre alter Polizeibeamter verwickelt war. Er sei bereits im November2013 festgenommen und am 21. August angeklagt worden, teilte die Polizei von South Yorkshire mit. Er sei am Donnerstag vor Gericht erschienen. Ihm werde vorgeworfen, ein 15 Jahre altes Mädchen zu sexuellen Handlungen genötigt zu haben.