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Der Widerspenstigen Zähmung

Angelina Jolie und Brad Pitt haben in Frankreich geheiratet. Das US-Traumpaar schaffte es, seine Trauung geheim zu halten

Am 28. August um 14.31 Uhr, also gestern, erreichte die Redaktion eine Eilmeldung. Das passiert häufiger mal, meist hat das dann was mit der Ukraine zu tun, oder mit Toten und Verletzten, ganz allgemein mit Unglücken jeglicher Art, denn schöne Dinge werden geplant und Katastrophen geschehen einfach, ohne Vorwarnung.

Diesmal aber war es etwas anderes. Da stand: „(Eil) Angelina Jolie und Brad Pitt seit Samstag verheiratet. New York (AP) – Das Hollywood-Traumpaar Angelina Jolie und Brad Pitt hat am Samstag in Frankreich geheiratet. Das sagte ein Sprecher der beiden am Donnerstag.“ Ein Raunen ging durch den Raum. Das sagt man ja oft so daher, aber diesmal geschah es wirklich, im gesamten Großraumbüro konnte man hören: Schon gesehen? Angelina Jolie hat geheiratet! Natürlich wurde auch sofort bei Twitter nachgesehen, denn die Nummer der beiden haben wir leider nicht, dort konnte man dann mehr erfahren: Im privaten Kreis in einer kleinen Kapelle! Nizza! Château Miraval! Halt nein, Kapelle im südfranzösischen Correns! Halt nein, doch Miraval! Jolie wurde von den Kindern Maddox und Pax zum Altar geführt! Die Töchter Zahara und Vivienne streuten Blumen! Shiloh und Knox brachten die Ringe! Sie hat in Weiß geheiratet! Weiß!!!

Zehn Jahre ohne Trauschein

Man muss ein bisschen zurückspulen, um diese Aufregung zu verstehen, viele Jahre sogar. Am besten man beginnt mit einer Zeit, zu der sich die beiden noch gar nicht kannten. Vor etwa 15 Jahren waren Angelina Jolie und der Schauspieler Billy Bob Thornton ein Paar. Beide waren noch nicht besonders bekannt und wenn, dann eher wegen Exzentrik als Schauspielerei. In Interviews sagten sie, dass sie sich gern Liebesbriefe mit Blut schreiben und auch, dass sie eine mit dem Blut des jeweils anderen gefüllte Glasflasche um den Hals tragen, tags, nachts, immer. Sie zertrümmerten Hotelzimmer, er trug ihre Unterwäsche, sie waren dauernd stoned. All das erzählten sie ganz offen.

Zur gleichen Zeit liebte Brad Pitt Jennifer Aniston. Beide waren berühmt. Er hatte in „Thelma & Louise“ den jungen Liebhaber von Geena Davis gespielt und in „Interview mit einem Vampir“ den Vampir. Sie war die Hauptfigur in der damals erfolgreichsten amerikanischen Sitcom, „Friends“. Beide hatten ein Hobby: Wandern.

Es gibt also schöne Fotos von ihnen, sie zeigen, wie die beiden in den Hollywood Hills Hand in Hand spazieren gehen, immer in den gleichen Klamotten, damit die Paparazzi nach und nach das Interesse an ihnen verlieren, weil jedes Bild gleich aussah. Sie hatten viele schöne Wanderurlaube. Was sie nicht hatten: Skandale.

2005 drehten Angelina Jolie und Brad Pitt zusammen einen Film. Einen sehr dusseligen, es geht um ein Ehepaar, beide Auftragskiller, aber keiner weiß, dass der andere auch ein Auftragskiller ist, ganz realistischer Streifen also, und in diesem Film jedenfalls verliebten sich die Jolie und Pitt. Jolie verließ Thornton, von dem man seither nahezu nichts mehr gehört hat, und Pitt verließ Aniston, die seither immer herhalten muss, wenn ein Journalist ein Beispiel sucht für eine Frau über vierzig, die ganz schlimm unglücklich ist, weil sie noch kein Kind hat.

Pitt und Jolie bekamen drei Kinder, adoptierten drei weitere. Sie wurden ein Paar, das es eigentlich nicht wirklich geben kann, ein Paar, das alles richtig macht. Sie flogen in Krisengebiete, um Spenden zu sammeln, sie machten intellektuelle Filme, zumindest manchmal, sie wurden zusammen immer schöner, soweit das noch ging, sie standen Krisen durch, sie sagten in Interviews nur die allerschönsten Dinge übereinander. Es war, als hätten sie der Welt versprochen, perfekt zu sein.

Nur verheiratet waren sie nicht.

Zehn Jahre lang waren sie nicht verheiratet. Und da perfekte Paare natürlich zu heiraten haben, warf das Fragen auf. Zum Beispiel: Was stimmt da nicht? Wenn nicht geheiratet wird, liegt das ja bestimmt am Mann, man nennt es George-Clooney-Syndrom, aber halt, das kann ja nicht sein, es handelt sich ja hier um Brad Pitt, den Wanderer. Es muss also die widerspenstige Angelina Jolie sein, die mit dem Blut, die nicht will. So will es die Legende.

Nun also der Widerspenstigen Zähmung. Eine 39 Jahre alte Frau und ein 50 Jahre alter Mann, die zusammen sechs Kinder haben und seit zehn Jahren ein Paar sind, haben geheiratet. In Weiß. Mit ihren Kindern.

Wahnsinn.

Rückzugsort Château Miraval

Für diese nicht konfessionelle, zivile Heirat hatte sich das Paar zuvor eine Genehmigung von einem kalifornischen Richter geholt. Dieser leitete auch die Zeremonie in den Weinbergen der Provence. Dort liegt der Rückzugsort von Angelina Jolie und Brad Pitt, die auch gern „Brangelina“ genannt werden. Das rund 500 Hektar große Château Miraval ist seit Jahren fester Bestandteil auf der Reiseliste des amerikanischen Schauspielerpaares. Im Jahr 2008 erwarben sie das Anwesen, das zur Gemeinde Correns im Department Var an der Côte d’Azur gehört. Um Château Miraval gab es schon häufig Spekulationen, die kleine Kapelle auf dem Anwesen könne Ort der Hochzeit werden.

Nicht nur Sonne, Abgeschiedenheit oder Schutz vor Paparazzi locken Jolie und Pitt mit ihren Kindern nach Südfrankreich. Gemeinsam mit dem französischen Winzer Marc Perrin arbeiten sie seit Jahren an einer kleinen Weinproduktion des Gutes. Den Auftakt bildete ein Rosé Jahrgang 2012, dessen Nachfolgejahrgang aktuell für 15 Euro pro Flasche gehandelt wird. Auch Rot- und Weißweine haben sich die Weinliebhaber vorgenommen.

Château Miraval mit seinen ockerfarbenen, zweigeschossigen Gebäuden gehörte zuvor dem US-amerikanischen Geschäftsmann Tom Bove. In einem Studio auf dem Anwesen nahm die Gruppe Pink Floyd mehrere Titel ihres Albums „The Wall“ auf. Auch The Cure, Sade und Oasis genossen die idyllische Abgeschiedenheit von Miraval.