Ebola

„Es wird schlimmer werden“

WHO fürchtet Anstieg auf mehr als 20.000 Ebola-Infektionen in den nächsten Monaten

Der Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika wird nach Einschätzung von Gesundheitsexperten von einem Anstieg der Fälle begleitet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte am Donnerstag in Genf, sie fürchte in den kommenden Monaten einen Anstieg auf mehr als 20.000 Infektionen, bevor Maßnahmen gegen das Virus greifen. Bei einem Krisentreffen in Accra berieten westafrikanische Gesundheitsminister über Maßnahmen gegen Ebola.

Laut WHO infizierten sich seit Jahresbeginn inzwischen 3062 Menschen mit dem Virus, 1552 von ihnen starben. Vermutlich sei die tatsächliche Zahl aber in vielen Gegenden zwei- bis viermal höher, erklärte die Organisation bei der Vorstellung eines neuen Maßnahmenpakets gegen die Infektionskrankheit. Im Zuge der neuen Strategie werde davon ausgegangen, „dass die Zahl der Infektionen während dieser Epidemie auf mehr als 20.000 steigen könnte“. Als Ziel kündigte die WHO an, die weitere Ausbreitung der Epidemie binnen drei Monaten aufzuhalten und „jegliche Ansteckungen binnen sechs bis neun Monaten zu stoppen“.

Die erste Ebola-Epidemie in Westafrika hatte sich seit März von Guinea auf Sierra Leone und Liberia ausgebreitet, bevor sie auch in Nigeria auftrat. Das Virus wird durch Körperflüssigkeiten übertragen. Es löst hämorraghisches Fieber, Durchfall, Erbrechen sowie innere Blutungen aus und führt in vielen Fällen zum Tod. In Liberias Hauptstadt Monrovia rief der Direktor des US-Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention, Tom Frieden, zu „dringendem Handeln“ auf. „Die Zahl der Fälle steigt“, warnte er. „Es wird schlimmer werden, bevor es besser wird.“ Es gebe „viel mehr Fälle als diejenigen, die diagnostiziert und gemeldet wurden“. Der Kampf gegen Ebola werde nicht einfach sein.

In Nigeria stieg die Zahl der Ebola-Toten auf sechs. Ein Arzt erlag am 22. August im 435 Kilometer von Lagos entfernten Port Harcourt dem Virus, wie Gesundheitsminister Onyebuchi Chukwu mitteilte. Bisher war das Virus nur in Nigerias größter Stadt Lagos aufgetreten. Port Harcourt ist das Zentrum der nigerianischen Ölindustrie. Der Arzt hatte einen an dem Virus erkrankten Mitarbeiter der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas behandelt, der seinerseits Kontakt zu einem am 25. Juli in Lagos verstorbenen Ebola-Patienten hatte. Dieser hatte das Virus nach Nigeria gebracht.

In der ghanaischen Hauptstadt Accra begann am Donnerstag ein Krisentreffen der Gesundheitsminister der Ecowas-Staaten. Die Organisation nannte Ebola „eine Bedrohung für die regionale und globale öffentliche Gesundheitssicherheit sowie für die wirtschaftliche und soziale Sicherheit in den betroffenen Ländern“.