Medizin

Erster Ebola-Patient in Deutschland

Ein Arzt aus Afrika wird auf der Isolierstation der Hamburger Universitätsklinik unter schärfsten Sicherheitsbedingungen behandelt

Es ist der erste Ebola-Patient, der nach Ausbruch der Epidemie in Westafrika in Deutschland behandelt wird. Als sich der Verdacht erhärtete, hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beim Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) angefragt, ob der Erkrankte aufgenommen werden könne. Das UKE und das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin genießen bei der Therapie von hoch ansteckenden Erkrankungen einen hervorragenden Ruf.

In dem speziellen Behandlungszentrum des UKE werden Patienten versorgt, die sich mit lebensbedrohlichen Erregern infiziert haben. Neben dem UKE, der Hamburger Gesundheits- und der Innenbehörde waren auch mehrere Bundesbehörden in den Fall involviert, darunter das Auswärtige Amt, das Robert-Koch-Institut und das Bundesinnenministerium. Details zum Transport des Kranken wurden unter höchster Geheimhaltung des Hamburger Fachstabes Seuchenschutz bereits am Sonntag erörtert.

Hoffnung für den Patienten

Der mit dem Virus infizierte Arzt aus Afrika, der für die Weltgesundheitsorganisation arbeitet, wurde am Mittwochmorgen auf die Isolierstation des UKE gebracht. Auskünfte zum Zustand des Patienten, zu seinem Alter und zu seiner Nationalität wollten die Ärzte unter Berufung auf die ärztliche Schweigepflicht nicht geben. Nur so viel: „Der Patient ist in einem Zustand, der hoffen lässt, dass er von unserer Behandlung profitieren kann“, sagte Dr. Stefan Schmiedel, Leiter der Klinischen Infektiologie, Sektion Tropenmedizin, in der Bernhard-Nocht-Klinik am UKE, und zuständig für die Behandlung des Patienten. Das wesentliche Therapieprinzip sei eine unterstützende Behandlung durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Schmerztherapie und Fiebersenkung sowie eine gute Ernährung. „Das ist die Basis der Versorgung.“ Dadurch lasse sich das Sterberisiko an der Infektion erheblich senken.

Der Einsatz von experimentellen Medikamenten sei bisher nicht geplant, nur wenn die jetzige Therapie nicht anschlage, sei das eine Option. Welche Medikamente dafür infrage kommen, könnten, wollte Schmiedel nicht sagen. Bisher waren schon einige Patienten in den USA, Spanien und in Liberia mit dem experimentellen Mittel ZMapp behandelt worden, das aus drei unterschiedlichen Antikörpern besteht und das Immunsystem des Patienten in die Lage versetzen soll, sich gegen das Virus zur Wehr zu setzen.

Warum die Anfrage für die Aufnahme des Patienten gerade ans UKE gerichtet wurde, ist nach Angaben von Prof. Ansgar Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik des UKE, ein Ausdruck der langen Zusammenarbeit zwischen dem UKE, dem Bernhard-Nocht-Institut und der Bundeswehr. Das Personal im UKE habe sich regelmäßig auf die Betreuung dieser Patienten vorbereitet und verfüge über die dafür nötige Expertise. „Wir sind personell gut ausgestattet, um auch über einen längeren Zeitraum eine kompetente Versorgung zu gewährleisten“, sagte Lohse.

Die Isoliereinheit, in der der Patient behandelt wird, ist ein hermetisch abgeriegelter Gebäudeteil, der durch ein Schleusensystem sicher von der Umgebung getrennt ist. Durch einen permanenten Unterdruck in der Station kann Luft nicht nach draußen gelangen, sodass das Virus sich nicht ausbreiten kann. Die Schutzanzüge des Personals, das die Isolierstation betritt, haben ein eigenes Luftfiltersystem. Nach der Verwendung werden die Anzüge und alle Gebrauchsgegenstände sterilisiert und verbrannt. Damit werde sichergestellt, dass auch in diesem Punkt keine Gefährdung für die Umwelt bestehe, teilte das UKE mit.

WHO trägt Kosten der Behandlung

In der Station können bis zu sechs Patienten versorgt werden. Pro Schicht sind mehrere Pflegekräfte und Ärzte sowie Techniker und Sicherheitskräfte im Einsatz. 50 Pflegekräfte und 30 Ärzte seien im Umgang mit dieser Einheit geschult worden, sagte Schmiedel. Eine psychische Belastung des Personals sieht er nicht. „Wir sind alle sehr gut trainiert. Aber das Arbeiten in den Schutzanzügen ist körperlich sehr anstrengend“, so der Tropenmediziner. Die Kosten für die Behandlung des Ebola-Patienten aus Westafrika trägt laut Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde, Rico Schmidt, die WHO. Wie hoch die Therapiekosten sein könnten, ist bisher jedoch völlig unklar. Dazu und ob es weitere Anfragen für die Behandlung von Ebola-Patienten gibt, wollte sich das Uniklinikum am Mittwoch nicht äußern.

In Deutschland gibt es insgesamt neun Zentren für die Behandlung von hochinfektiösen Erkrankungen mit jeweils zwei bis sechs Betten.