Epidemie

WHO drängt auf Ebola-Screening an Flughäfen

Sturm auf Quarantänestation in Liberia ist ein schwerer Rückschlag im Kampf gegen das Virus

In Liberias Hauptstadt Monrovia haben Behörden am Montag die Suche nach den aus einer Quarantänestation geflohenen Patienten mit möglicher Ebola-Infektion fortgesetzt. Rund 20 der 37 Geflüchteten hätten aufgespürt werden können und befänden sich nun in zwei Krankenhäusern zur Beobachtung, teilte Informationsminister Lewis Brown mit. Das westafrikanische Land ist mit bisher 413 Todesfällen besonders schwer vom jüngsten Ausbruch betroffen und befürchtet durch den Sturm von Anwohnern auf die Quarantänestation im Slum West Point nun eine weitere Ausbreitung des tödlichen Virus.

Eine möglicherweise an Ebola erkrankte Nigerianerin starb in Abu Dhabi, wie die Gesundheitsbehörde der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate am Montag mitteilte. Die 35-Jährige war den Angaben zufolge am Sonntag als Transitreisende auf dem Flug von Nigeria nach Indien zwischengelandet. Sie habe sich in Indien einer Krebsbehandlung unterziehen wollen. Nach der Landung in Abu Dhabi verschlechterte sich ihr Zustand, und Rettungssanitäter bemerkten Symptome, die auf eine Ebola-Infektion hindeuten könnten.

Die WHO rief die von Ebola heimgesuchten Länder in Westafrika auf, alle Passagiere an internationalen Flughäfen, Grenzübergängen und Häfen auf eine mögliche Infizierung hin zu überprüfen. Das Risiko, die Krankheit während einer Flugreise zu übertragen, sei zwar gering. Doch jeder Passagier mit Ebola-ähnlichen Symptomen sollte nicht weiterreisen dürfen, solange kein ärztliches Attest vorliege, teilte die UN-Organisation mit.

Den Sturm auf das Quarantänezentrum in Monrovia nannte Minister Brown den „bisher größten Rückschlag“ im Kampf Liberias gegen die oftmals tödlich verlaufende Krankheit, die sich über Körperflüssigkeiten wie Blut verbreitet. Sorgen bereiteten den Gesundheitsbehörden die bei der Plünderung entwendeten Gegenstände wie Laken und Decken, die blutverschmiert waren und damit wahrscheinlich mit dem Virus kontaminiert sind. Es wird nun befürchtet, dass sich die Krankheit weiter ausbreitet. In West Point leben mindestens 50.000 Menschen. Viele der Geflohenen seien zu ihren Gemeinschaften zurückgekehrt und hätten geortet werden können, sagte Brown weiter. Bei den 37 Geflohenen sei das Virus bisher nicht festgestellt worden, die Beobachtung müsse weitergehen.

Unterdessen bestätigte sich bei zwei Menschen in Europa der Ebola-Verdacht nicht. In Spanien wurde ein Mann aus Nigeria, der vorsichtshalber in einem Krankenhaus von Alicante isoliert worden war, negativ getestet, wie die Gesundheitsbehörden am Sonntag mitteilten. Auch bei einer in der Nacht zum Sonnabend in Tirol tot aufgefundenen Britin bestätigte sich der Verdacht nicht.