Pharmazie

Auf der Suche nach einem Impfstoff

Basler Firma entwickelt Serum gegen Ebola. Weiterer Arzt in Sierra Leone gestorben

Die Ebola-Epidemie mit bisher mehr als 1000 Toten stellt das Schweizer Biotech-Unternehmen Okairos in den Fokus: Dessen Impfstoff gegen die Seuche soll noch dieses Jahr in die klinische Testphase gehen, wie der britische Mutterkonzern GlaxoSmithKline (GSK) bestätigt. Bisher gibt es weder Medikamente noch Impfungen gegen die Krankheit.

Das Unternehmen wurde 2007 mit rund 30 Mitarbeitern gegründet. Ein Jahr später griff der Pharmariese GSK zu und kaufte es für umgerechnet 300 Millionen Franken. Mit der Übernahme erwarb GSK auch die Ebola-Forschung – und ist damit der einzige Pharmariese, der ein solches Projekt verfolgt, in Zusammenarbeit mit der US-Gesundheitsbehörde Niaid. „Wir haben mit der Forschung an einem Ebola-Impfstoff begonnen, weil vorausgehende Studien zeigten, dass unser Ansatz effektiver sein könnte als andere“, so Okairos-Mitgründer Riccardo Cortese. Es sei dabei immer mehr um die wissenschaftliche Herausforderung gegangen und die Aussicht, das aggressive Virus bekämpfen zu können. „Einen großen kommerziellen Erfolg haben wir nicht erwartet.“

Die Ebola-Forschung ist nach wie vor ein Stiefkind der Branche, zu gering waren bisher die Ansteckungszahlen und zu gering die Aussichten auf kommerziellen Erfolg. Auch wenn in den vergangenen zehn Jahren Fortschritte in der Forschung erzielt wurden, hängen die meisten Projekte an den entscheidenden Tests am Menschen. Am stärksten investieren die US-Gesundheitsbehörden – sie fürchten, das Virus könnte als biologische Waffe bei einem Anschlag eingesetzt werden.

Wegen der Ebola-Epidemie in Westafrika hat die Bundesregierung alle deutschen Staatsangehörigen zur Ausreise aus den am meisten betroffenen Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone aufgefordert. Entsprechende Hinweise würden bald auf der Website des Auswärtigen Amtes erscheinen, teilte Ministeriumssprecher Martin Schäfer am Mittwoch nach einer Sitzung des Krisenstabs mit. Nach seinen Angaben gilt die Aufforderung nicht für medizinisches Personal. Auch die Botschaften blieben weiter geöffnet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte die Ebola-Epidemie in Westafrika am Freitag zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt.

In Sierra Leone ist unterdessen ein zweiter, bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie führender Arzt an der Krankheit gestorben. Der in den USA ausgebildete Mediziner Modupeh Cole gehörte zu den leitenden Ärzten der Isolierstation im Connaught-Krankenhaus in Freetown, wo Ebola-Kranke behandelt werden. Am 29. Juli war mit Sheik Humarr Khan ein anderer führender Arzt im Kampf gegen die tödliche Viruskrankheit gestorben.