Gesundheit

Grenzkontrollen gegen Ebola

Westafrikanische Staaten verschärfen Sicherheitsmaßnahmen. Kurzfristiger Seuchen-Alarm in Hamburg wird aufgehoben

Guinea hat am Wochenende bekanntgegeben, dass die medizinischen Kontrollen an den Grenzen verstärkt würden. Es solle vermieden werden, dass Infizierte ins Land kommen, so die Regierung. Den nationalen Notstand auszurufen, sei aber nicht nötig, sagte Gesundheitsminister Remy Lamah. Der Ausbruch sei unter Kontrolle.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte die Erklärung des Notstands als nötige Maßnahme bezeichnet, als sie die Epidemie am Freitag als Internationalen Gesundheitsnotfall einstufte. Nigeria folgte dem Aufruf, in den zwei anderen betroffenen Ländern Liberia und Sierra Leone war der Notstand bereits zuvor ausgerufen worden. In Nigeria wurde etwa verboten, Leichen über die nationalen Grenzen oder über die Grenzen der Bundesstaaten zu transportieren. Ebola-Opfer sollten an ihrem Sterbeort beerdigt werden.

Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf entschuldigte sich in Monrovia vor Mitarbeitern des Gesundheitswesen für die hohe Todesrate unter Ärzten und Pflegern. Möglicherweise sei nicht genug zu ihrem Schutz unternommen worden. Ein Teil der neuen Gelder werde in Lebensversicherungen und Hinterbliebenen-Hilfe fließen. In dem Land wächst die Sorge vor einer Ausbreitung der Epidemie in der 20-Millionen-Metropole Lagos. Die Behörden verwiesen auf einen Personalmangel und baten Freiwillige am Sonnabend in einem Fernsehappell, bei der Eindämmung der Seuche zu helfen. Im Gegenzug wurden ihnen Anreize wie eine Lebensversicherung in Aussicht gestellt.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC entsandte zusätzliches Personal nach Lagos, um ihre bereits 200 Experten in den Ebola-Gebieten zu unterstützen. Die christliche Hilfsorganisation Samaritan's Purse fürchtet eine Verschlimmerung der Lage in spätestens drei Wochen, da die Inkubationszeit von Ebola zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit normalerweise 21 Tage beträgt.

Ein Patient in Hamburg hat am Wochenende den ersten Ebola-Verdacht in Deutschland ausgelöst. Nach einigen Stunden Aufregung gab es aber Entwarnung: Der 28-Jährige sei nicht infiziert, gab das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf am Sonntag bekannt. Der Afrikaner war am Abend zuvor mit einem Infektionsrettungswagen in das Uni-Klinikum verlegt worden, nachdem er über Fieber und Erbrechen geklagt hatte. Er war vergangene Woche aus Sierra Leone zurückgekehrt. Das Wohnheim des Mannes – eine Unterkunft vorwiegend für Wohnungslose – wurde wegen des Verdachts für Stunden abgesperrt.

Aus Spanien wurde unterdessen bekannt, dass der Ebola-Patient Miguel Pajares ebenfalls mit dem experimentellen Medikament „ZMapp“ behandelt wird. Wie die staatliche Nachrichtenagentur EFE am Sonntag unter Berufung auf Angehörige des Geistlichen berichtete, haben die Ärzte damit begonnen, dem 75-Jährigen das Mittel zu verabreichen. Sie hatten zuvor eine Ausnahmegenehmigung für die Verwendung des Medikaments eingeholt, das noch nicht in den üblichen klinischen Testreihen mit Menschen erprobt wurde. Zuvor waren bereits zwei aus den USA stammende Ebola-Patienten mit „ZMapp“ behandelt worden. Ihnen geht es besser, jedoch ist unklar, ob das tatsächlich auf das Mittel zurückgeht und welche Nebenwirkungen es möglicherweise gibt.

Entwickelt wurde der Wirkstoff von der US-Biotechfirma Mapp Biopharmaceutical. Schon seit elf Jahren arbeitet die Firma – mit wenig Personal – an ZMapp, die Tests wurden im Wesentlichen durch Gelder des US-Verteidigungsministerium finanziert. Bei dem Mittel handelt es sich um eine passive Immuntherapie. Während bei der aktiven Immuntherapie Bestandteile des abgetöteten Erregers das Immunsystem stimulieren, selbst Abwehrstoffe (Antikörper) zu bilden, versorgt eine passive Immuntherapie den Körper direkt mit den Antikörpern.

Die Forscher der Firma Mapp hatten Mäuse mit Ebola infiziert. Den Tieren, die überlebten, entnahmen sie die verantwortlichen Antikörper und modifizierten sie anschließend genetisch für Menschen. Die Gene dieser Antikörper pflanzten die Wissenschaftler in die Blätter von Tabakpflanzen ein – produziert wird der Anti-Viren-Stoff also von Tabakpflanzen.

Nun würden üblicherweise mehrstufige Testreihen mit Patienten folgen: Tests auf die richtige Dosis und auf Nebenwirkungen. Doch so etwas dauert um fünf Jahre. Für die Therapie der drei spanischen und US-Patienten gibt es zwar eine Sondergenehmigung für die Anwendung. Doch selbst wenn unter dem Druck der Ereignisse die massenhafte Anwendung genehmigt würde, bestünde noch das Problem, dass bisher nur ganz wenig Antikörper zur Verfügung steht. Laut „New York Times“ verhandelt das US-Verteidigungsministerium aktuell mit einer weiteren Biotech-Firma, die Mapp Biopharmaceutical bei der Züchtung einer größeren Menge unterstützen soll.