Epidemie

Ebola-Verdacht in Kanada

Nigeria ruft den Notstand aus. Evakuierten in Spanien und den USA geht es besser. Experten sehen für Deutschland kaum Gefahren

In Kanada ist ein Nigeria-Rückkehrer mit Ebola-Symptomen unter Quarantäne gestellt worden. Der Mann habe sich mit Fieber und anderen Symptomen in eine Notaufnahme eines Krankenhauses in einem Vorort von Toronto begeben, teilte die Klinik am Freitag (Ortszeit) mit. Aus Vorsorge seien die höchsten Überwachungsmaßnahmen getroffen worden. Es liefen Untersuchungen, um herauszufinden, ob der Mann tatsächlich mit dem hochgefährlichen Erreger infiziert sei.

Nigeria verstärkt im Kampf gegen die Ebola-Epidemie seine Anstrengungen. Das Land stellte 139 möglicherweise mit dem Virus Infizierte unter Quarantäne, wie die Tageszeitung „Punch“ am Sonnabend berichtete. Präsident Goodluck Jonathan rief auf Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den nationalen Notstand aus und bewilligte am Freitagabend umgerechnet 8,6 Millionen Euro zur Soforthilfe gegen Ebola. Die Zahl der Toten insgesamt wurde am Sonnabend von der WHO mit 961 angegeben.

Seit Nigeria von der Epidemie betroffen ist, gibt es erstmals direkte Flugverbindungen zwischen einem Ebola-Gebiet und Deutschland. Die Lufthansa fliegt täglich von Frankfurt am Main nach Lagos und Abuja. Passagiere aus Nigeria bekommen am Frankfurter Flughafen Infomaterial ausgehändigt. Mit Blick auf die Vorkehrungen am Flughafen sagte der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, René Gottschalk, der „Frankfurter Rundschau“: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir da irgendetwas übersehen.“

Für die Bevölkerung in Deutschland ist die Epidemie nach Experteneinschätzung keine Bedrohung. Das Risiko einer Weiterverbreitung bestehe nicht, „weil es in Deutschland und Europa alle Voraussetzungen zur sicheren Versorgung Betroffener gibt“, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, der „Passauer Neuen Presse“.

Forschungsrückstand beklagt

Der Experte gestand aber zu, dass es „nicht unmöglich“ sei, dass Reisende die Krankheit nach Deutschland mitbringen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei durch direkten Kontakt oder mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten von Erkrankten oder Verstorbenen möglich.

Forscher sehen die eigene Zunft kritisch: „Es ist beschämend, dass wir nach fast 40 Jahren noch immer kein Medikament und keinen Impfstoff gegen Ebola in der Hand haben“, sagte der Marburger Virologe Stephan Becker dem Magazin „Focus“. Mehrere Medikamente und Impfstoffe seien bereits an Affen getestet worden, aber Forscher hätten klinische Tests am Menschen bislang unterlassen. „Wir hätten viel früher damit anfangen müssen.“ Becker rechnet damit, dass frühestens nächstes Jahr ein Impfstoff zur Verfügung steht.

Kritik kommt auch von René Gottschalk: „Man hätte das in den Griff gekriegt, wenn man frühzeitig eingegriffen hätte“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“. Gottschalk ist zugleich Sprecher des bundesweiten Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren für hochkontagiöse und lebensbedrohliche Erkrankungen (Stakob). „Ich mache mir Sorgen um die Afrikaner, die es betrifft.“ Man habe die betroffenen afrikanischen Stämme und Dörfer nicht eingebunden, sondern an ihnen vorbeigearbeitet. „Es werden bestimmt noch viel mehr Leute erkranken und sterben, als jetzt schon gestorben sind.“ Auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen hatte moniert, dass zu langsam gehandelt worden sei. Dies habe Leben gekostet.

Dem US-Arzt Kent Brantly, der sich in Liberia mit Ebola infiziert hatte und in die USA ausgeflogen worden war, geht es unterdessen wieder deutlich besser. „Ich fühle mich jeden Tag ein bisschen stärker“, erklärte Brantly in einer von seiner christlichen Hilfsorganisation verbreiteten Stellungnahme am Freitag (Ortszeit). Er hatte das zuvor lediglich an Affen getestete, experimentelle Mittel „Zmapp“ erhalten. Brantly beschrieb, dass es sich vor gut zwei Wochen quasi selbst diagnostiziert und dann isoliert habe.

Auch dem ersten nach Europa ausgeflogenen Ebola-Patienten geht es den Umständen entsprechend gut. Der Zustand des spanischen Geistlichen Miguel Pajares sei stabil, sagten am Sonnabend die Ärzte, die den 75-Jährigen in einem Madrider Krankenhaus behandeln. Pajares hatte sich in Liberia infiziert. Dagegen starb seine Mitarbeiterin, eine aus dem Kongo stammende Nonne, wie die katholische Hilfsorganisation „Juan Ciudad“ mitteilte, für die Pajares gearbeitet hatte.