Medizin

Heimkehr des Ebola-Kranken

Ein Priester wird in Madrid behandelt. In Liberia herrscht der Ausnahmezustand

Erstmals ist ein Ebola-Infizierter nach Europa gebracht worden. Eine Maschine der spanischen Luftwaffe, die einen mit dem Ebola-Virus infizierten Spanier aus Westafrika ausgeflogen hatte, landete am Donnerstag auf dem Luftwaffenstützpunkt Torrejón de Ardoz bei Madrid. Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, befand sich neben dem erkrankten Geistlichen Miguel Pajares auch eine spanische Nonne an Bord, die mit dem Priester in Liberia zusammengearbeitet hatte, die aber (noch?) nicht erkrankt ist.

Spanien ist nach den USA der zweite westliche Staat, der bei der Epidemie in Westafrika einen mit Ebola infizierten Staatsbürger heimgeholt hat. Der Priester soll in einem Madrider Krankenhaus unter strenger Quarantäne behandelt, die Nonne beobachtet werden. Eine bewährte Ebola-Therapie gibt es indes nicht. Bislang lässt sich bei Erkrankten nur das Fieber senken, Blut- und Flüssigkeitsverlust durch Infusionen ausgleichen und die Funktion von Nieren oder Lunge künstlich erhalten.

Zwei an Ebola erkrankte und mit einem speziell ausgerüsteten Flugzeug heim in die USA geflogene Helfer hatten das experimentelle Mittel „ZMapp“ erhalten. Ihnen geht es besser – ob wegen dieses Präparates ist allerdings unklar. Das Mittel solle weiter getestet werden, sagte Präsident Barack Obama am Ende des dreitägigen Afrika-Gipfels in Washington. Die weitere Verbreitung der „sehr brutalen Krankheit“ müsse so früh wie möglich gestoppt werden.

„ZMapp“ war zuvor an Affen, noch nicht aber in den üblichen klinischen Testreihen erprobt worden. Es ist deshalb unklar, ob und was für Nebenwirkungen es haben kann. „ZMapp“ wurde von Forschern der US-Armee mitentwickelt und besteht aus Antikörpern, die an Proteine der Viren binden und verhindern sollen, dass sie in weitere Zellen eindringen und sich darin vermehren. Zudem sollen sie es dem Immunsystem ermöglichen, bereits infizierte Zellen zu eliminieren. Produziert werden die Antikörper in gentechnisch veränderten Tabakpflanzen.

Ethisch-medizinische Abwägung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kündigte an, den Einsatz solcher kaum geprüften Mittel in Westafrika zu erwägen. Der Ausbruch habe die Organisation in eine ungewöhnliche Situation gebracht, hieß es am Rande einer Sitzung des Notfall-Komitees der Organisation. Darauf müsse unter Umständen auch mit ungewöhnlichen Maßnahmen reagiert werden.

Über vielversprechende Präparate in frühen Entwicklungsphasen will die WHO, die eine Organisation innerhalb der Vereinten Nationen (UN) ist, in der kommenden Woche zunächst mit Medizinethikern beraten. „Wir haben hier eine Krankheit mit hoher Sterberate, ohne dass es eine bewährte Behandlung oder Impfung gibt“, sagte die Stellvertretende WHO-Generaldirektorin Marie-Paule Kieny. Die Ethiker müssten einschätzen, was für Ärzte in dieser Situation verantwortbar ist. Auf der einen Seite steht die Hoffnung, dass die schwer kranken Patienten eine wirksame Medizin erhalten, auf der anderen steht die Gefahr, dass der wenig erprobte Wirkstoff bislang noch unbekannte schwere Nebenwirkungen entfaltet.

Schon mehrere anerkannte Experten haben sich dafür ausgesprochen, den Einsatz experimenteller Medikamente und Impfstoffe zumindest in Erwägung zu ziehen. „Man muss sich angesichts der bereits vorhandenen experimentellen Impfstoffe fragen, ob es noch gerechtfertigt ist, nicht zu impfen“, sagte Professor Hans-Dieter Klenk von der Universität Marburg. Allerdings müsste bei einer solchen Entscheidung erst die massenhafte Produktion angekurbelt werden. „ZMapp“-Hersteller Mapp Biopharmaceutical aus San Diego (US-Staat Kalifornien) gab an, seine Reserven seien arg begrenzt. Man wolle aber mit den Gesundheitsbehörden zusammenarbeiten, um die Produktion möglichst schnell aufzustocken.

Eine Wende ist bei der verheerenden Ebola-Epidemie in Westafrika mit inzwischen mindestens 932 Toten und mehr als 1700 Erkrankten dringend gesucht. Es handelt sich um die schlimmste Ebola-Epidemie seit Entdeckung des Virus im Jahr 1976. Das Virus wird leicht durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. Weil der vor Wochen verhängte Notstand nicht ausreicht, verschärft Liberia seine Maßnahmen weiter. Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf verhängte einen dreimonatigen Ausnahmezustand. Dies bedeute, dass einige Bürgerrechte unter Umständen eingeschränkt werden könnten, sagte die Politikerin in einer landesweit übertragenen Ansprache.

Liberianer sollen zu Hause bleiben

Wie der französische Auslandssender RFI berichtete, gilt dies für 90 Tage. Der Rat der christlichen Kirchen des afrikanischen Landes rief die Bevölkerung zu drei Tagen des Fastens und des Gebets auf. Ziel sei es, „denjenigen Hoffnung zurückzugeben, denen die Schulmedizin nicht helfen kann“. In der Hauptstadt Monrovia waren die Straßen am Mittwoch weitgehend leer. Auch die Regierung hatte die Menschen aufgefordert, für drei Tage zu Hause zu bleiben. „Jeder hat Angst vor Ebola“, sagte Sarah Wehyee, die sich auf dem Markt in einem der Vororte Monrovias mit Lebensmitteln eindeckte.

Auch Liberias Nachbarstaaten Guinea und Sierra Leone haben drastische Maßnahmen im Kampf gegen das Virus ergriffen. Alle drei Staatschefs sagten ihre Teilnahme an dem USA-Afrika Gipfel ab, der am Donnerstag zu Ende gehen sollte. Saudi-Arabien hat alle Pilger-Visa für Bürger westafrikanischer Staaten zunächst ausgesetzt, um eine Verbreitung der Seuche bei der Anfang Oktober beginnenden Pilgerreise Hadsch zu verhindern.