Seuche

Ebola erreicht Europa

Nach zwei Amerikanern kommt auch ein infizierter Spanier zurück. In Internetforen hatten viele die Rückkehr des Priesters gefordert

Die spanische Regierung lässt einen mit dem Ebola-Virus infizierten Staatsbürger aus Westafrika in sein Heimatland zurückbringen. Eine Maschine der spanischen Luftwaffe sollte von Madrid nach Liberia starten, um den aus Spanien stammenden Geistlichen abzuholen. Bei dem Transport würden die strengen Sicherheits- und Quarantäne-Vorkehrungen der Weltgesundheitsorganisation eingehalten, so das Verteidigungsministerium.

Viele Spanier hatten zuvor von der Regierung die Rückkehr des Mannes gefordert, der sich in Liberia mit dem Ebola-Virus infiziert hat. Die entsprechende Internetpetition war am Dienstagabend bereits von mehr als 75.000 Menschen unterstützt worden. Daraufhin hatten Beamte der Madrider Ministerien für Gesundheit beschlossen, den aus der Gegend von Toledo stammenden Geistlichen heimzuholen.

Der 75 Jahre alte Johanniter, der seit acht Jahren in Liberia für die Nichtregierungsorganisation „Juan Ciudad“ tätig ist, sagte der Nachrichtenagentur efe, er fühle sich im Stich gelassen. Ein Test ergab am Montag, dass er Ebola hat. „Ich würde gern nach Spanien, weil wir hier sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben. Man hilft uns nicht“, sagte der Pater. Die Situation im liberianischen Krankenhaus sei sehr schlimm, ließ „Juan Ciudad“ wissen. Neben dem Geistlichen seien auch zwei Missionarinnen infiziert. Sie arbeiteten in dem Krankenhaus St. Joseph’s Catholic Hospital in Monrovia, dessen Direktor bereits an der Krankheit gestorben ist. Insgesamt seien seit dem 1. August sechs Missionare unter Quarantäne gestellt.

Der Geistliche lebt bereits seit den 60er-Jahren in Afrika, berichtet das spanische Portal „ABC“. Er hatte ursprünglich geplant, im September ganz nach Madrid zurückzukehren. Ohnehin sei sein Gesundheitszustand kritisch, weil er an Herzproblemen leide.

Die USA haben bereits zwei infizierte Bürger des Landes aus Liberia ausgeflogen. Auch dem zweiten Patienten geht es etwas besser. „Nancy ist immer noch sehr, sehr schwach. Aber sie zeigt Zeichen des Fortschritts und bewegt sich in die richtige Richtung“, sagte Bruce Johnson, Chef der Hilfsorganisation, für die die 59-Jährige gearbeitet hatte, nach ihrer Ankunft in Atlanta. Sie war mit dem selben Spezialflugzeug aus Liberia ausgeflogen worden, das zwei Tage zuvor ihren ebenfalls an Ebola erkrankten Kollegen Kent Brantly nach Hause geholt hatte.

Writebol sei zwar mit einer Trage ins Flugzeug gebracht worden, sagte Bruce Johnson. „Aber sie konnte aufstehen und ist mit Hilfe selbst durch das Flugzeug gegangen.“ Es sei noch ein langer Weg, aber alle hätten Grund zur Hoffnung. „Vor einer Woche dachten wir noch, wir müssten Vorbereitungen für Nancys Beerdigung treffen. Jetzt haben wir gute Gründe, voller Hoffnung zu sein.“

In den USA waren die öffentlichen Reaktionen vielfach anders ausgefallen als in Spanien: Dort hatten sich in Foren und anderen Beiträgen etliche Menschen aus Angst vor Ansteckung gegen eine Rückkehr von infizierten Amerikanern ausgesprochen. Zuvor war bekannt geworden, dass sich immer mehr Helfer mit dem Virus infizieren – und auch sterben. Allein in Liberia sollen es Dutzende sein, darunter auch mehrere amerikanische Ärzte und Top-Experten für Ebola.

Bereits fast 1000 Tote

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein mit Blutungen einhergehendes Fieber aus. Je nach Ausbruch sterben der WHO zufolge 25 bis 90 Prozent der Patienten daran. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine zugelassene Impfung noch ein Heilmittel. Ein an Ebola erkrankter US-Arzt wurde kürzlich – und offenbar erfolgreich – als erster Mensch mit dem zuvor nur an Affen erprobten Mittel „Zmapp“ behandelt. Experten warnen aber vor verfrühten Erfolgsmeldungen. Die Zahl der Todesfälle nach dem Ausbruch der Epidemie in Westafrika nähert sich bereits der 1000.

Das Auswärtige Amt rät wegen der Ebola-Epidemie in Westafrika „dringend“ von Reisen nach Sierra Leone, Liberia und Guinea ab. Es sei möglich, dass Ausreisemöglichkeiten aus diesen Ländern weiter beschränkt würden, heißt es in den aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweisen für die drei Länder. Trotz internationaler Bemühungen sei ein Ende der Ausbreitung nicht absehbar. Von der schwersten je registrierten Ebola-Epidemie ist auch Nigeria betroffen, das mit Abstand bevölkerungsreichste Land Afrikas.