Finanzierung

Der Preis der Epidemie

Die Weltbank stellt hohe Hilfsgelder im Kampf gegen Ebola bereit. So soll vor allem die ökonomische Katastrophe verhindert werden

Das Mittel ist so neuartig, dass es noch nicht an Menschen getestet werden konnte, geschweige denn zugelassen wäre. Dennoch sind die beiden, mit dem gefährlichen Ebola-Virus in Liberia infizierten US-Bürger mit dem Medikament ZMapp behandelt worden. Dem 33-jährigen Arzt Kent Brantly und der 59-jährigen Missionarin Nancy Writebol geht es mittlerweile tatsächlich besser, wie die involvierten Stellen und auch Familienangehörige mitteilten. Brantly versuchte in Liberia die oft tödlich verlaufende Krankheit zu bekämpfen und steckte sich schließlich selbst an. Er wird seit Sonntag in Atlanta behandelt.

Inwiefern daran das neuartige Mittel des Pharmakonzerns Mapp Biopharmaceutical mit Sitz im kalifornischen San Diego einen Anteil hat, kann nach Meinung von Experten jedoch nicht festgestellt werden: Immerhin haben auch schon andere Ebola-Infizierte es geschafft, sich aus eigener Kraft zu erholen. Es gibt bisher kein Heilmittel oder einen Impfstoff gegen das gefährliche und oftmals tödliche Ebola-Virus, obwohl an verschiedenen derzeit geforscht wird.

Wohl auch wegen der ersten Erkrankungen nichtafrikanischer Bürger wie Brantly und der Angst vor einer Ausbreitung in Industrienationen, so muss wohl angemerkt werden, hat die Epidemie endlich die Aufmerksamkeit, die Hilfsorganisationen seit Monaten einfordern. 887 Patienten sind seit März in Guinea, Liberia und Sierra Leone nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an Ebola gestorben, über 1600 haben sich infiziert, darunter rund 100 Mediziner und Pfleger. Es handelt sich um die mit Abstand schlimmste Ebola-Epidemie der Geschichte. Bislang verlief sie für mehr als 50Prozent der Infizierten tödlich, in einigen Gegenden sind es mehr als 90Prozent.

„Wenn sich die Situation weiter verschlechtert, werden die Konsequenzen nicht nur mit Bezug auf die Zahl der Toten katastrophal sein, sie werden auch ernsthafter sozio-ökonomischer Natur sein“, warnte die WHO-Vorsitzende Margaret Chan. So ist ein am Montag von der Weltbank beschlossener Notfallfonds in Höhe von rund 150 Millionen Euro für die betroffenen Länder gedacht. Langfristig soll das Geld auch den ökonomischen Schaden verringern. Die Zahlung muss noch vom Verwaltungsrat der Weltbank bestätigt werden, das wird allerdings voraussichtlich noch im Laufe der Woche geschehen. Von der Afrikanischen Entwicklungsbank sollen weitere 45 Millionen Euro fließen. Nur wenige Tage vor der Bekanntgabe hatte die WHO gewarnt, dass sich die Epidemie zu schnell verbreitet, als dass die Maßnahmen effektiv greifen könnten.

Mehr Hilfe gefordert

Analysten und Hilfsorganisationen hatten seit Monaten mehr Hilfe gefordert. Erst durch die zögerliche Reaktion konnte sich die Epidemie von einem regional begrenzten Problem zu einer internationalen Bedrohung entwickeln. Es gibt keine offiziell anerkannte Impfung oder Behandlungsmöglichkeit gegen das Virus. Die einzige Möglichkeit, Ebola zu stoppen, ist bisher die Isolation aller Patienten und die Überwachung der Personen, die mit ihnen nach der Entwicklung der ersten Symptome in Kontakt gekommen sind – ein im strukturschwachen Westafrika äußerst kompliziertes Unterfangen.

Nach ersten Schätzungen der Weltbank und des Internationalem Währungsfonds wird Guinea in diesem Jahr einen Prozentpunkt seines Wirtschaftswachstums durch die Epidemie einbüßen. In Sierra Leone hatte die Regierung dazu aufgerufen, am Montag zu Hause zu bleiben „für Reflexionen, Bildung und Gebete“. Präsident Ernest Bai Koroma wandte sich in einer Fernsehansprache an die Nation: „Die Essenz unserer Nation steht auf dem Spiel“, sagte er. In Liberia sind die Menschen aufgefordert, „öffentliche Unterhaltungszentren“ zu meiden. Das Risiko für eine Ansteckung soll limitiert werden, gleichzeitig aber leidet die Wirtschaft. „Ebola ist sehr schlecht für das Geschäft“, sagte Cheick Fantamady Camara, der Generalsekretär der Handelskammer von Guinea.

Der Würzburger Tropenmediziner August Stich erwartet unterdessen bald auch Ebola-Fälle in Europa. „Es ist angesichts der hohen Zahl der Patienten in Afrika eine Frage der Zeit, bis der erste Fall in Europa auftritt“, sagte er. „Es besteht aber nicht die Gefahr einer Epidemie“, betonte der Mediziner vom Missionsärztlichen Institut. Deutschland sei besser vorbereitet als andere Länder. Dafür sorgten ein Arbeitskreis am Robert Koch-Institut sowie entsprechende Behandlungszentren.