Medizin

WHO-Chefin warnt vor Ebola-Katastrophe

Krisengipfel in Westafrika. Die Bemühungen, das todbringende Fieber zu stoppen, reichen nicht aus. Es fehlt an Ausrüstung und Ärzten

Die Bemühungen zur Eindämmung der Ebola-Epidemie halten nicht mit dem Tempo Schritt, mit dem sich das Virus in Westafrika ausbreitet. Diese bittere Bilanz zog die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag bei einer Konferenz mit den Präsidenten der vier betroffenen Staaten Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria. Seit März starben 729 Menschen an Ebola.

WHO-Generaldirektorin Margaret Chan sagte, das Treffen in Conakry müsse ein Wendepunkt im Kampf gegen das Virus sein, an dem erstmals überhaupt auch Einwohner von drei afrikanischen Hauptstädten erkrankten. „Falls die Lage sich weiter verschlechtert, können die Folgen bezüglich der Zahl der Toten ebenso wie einer erheblichen sozioökonomischen Störung und der Ausbreitung in andere Länder katastrophal sein“, sagte Chan.

Ebola verbreitet sich über direkten Kontakt mit Körperflüssigkeit eines Erkrankten. Ein Problem bei der Bekämpfung der Krankheit ist, dass sich viele Patienten weigern, in Isolierstationen behandelt zu werden. 60 Prozent der Infizierten sterben an Ebola.

Chan zufolge besteht für die allgemeine Öffentlichkeit „kein hohes Infektionsrisiko“. Es dürfe aber nicht zugelassen werden, dass das Virus ungehindert zirkuliere. „Ständige Mutation und Anpassung sind die Überlebensmechanismen von Viren und Mikroben“, sagte sie. „Wir dürfen dem Virus keine Gelegenheit lassen, mehr Überraschungen zu entwickeln.“ In den betroffenen Ländern sollen Hunderte weitere Ärzte, Krankenschwestern, Seuchenexperten, Logistiker und Sozialarbeiter eingesetzt werden. Es gelte, die Maßnahmen zur Aufklärung zu verstärken, Fälle schnell und sicher aufzuspüren und angrenzende Länder vor einem Übergreifen der Epidemie zu bewahren. Wichtig sei zudem ein besserer Schutz der Mitarbeiter in den Kliniken und Gesundheitszentren, „einer raren Ressource in allen drei Ländern“.

Unterdessen will die US-Regierung im September erstmals einen Ebola-Impfstoff an Menschen testen. Der Impfstoff habe bereits positive Ergebnisse an Primaten gezeigt, zu denen etwa Affen gehören, berichteten der Sender CNN und die Zeitung „USA Today“. Das nationale Institut zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten und die Arzneizulassungsbehörde arbeiteten gemeinsam daran, dass die Tests so schnell wie möglich beginnen könnten.

Angesichts des bislang schwersten Ausbruchs der Krankheit in Westafrika drängt die Zeit. Sierra Leone, Guinea und Liberia versuchen, die Seuche mit Kontrollen an Flughäfen, Quarantänen und Versammlungsverboten einzudämmen. Die WHO hatte ein Sofortprogramm für die betroffenen Länder im Volumen von 100 Millionen Dollar (75 Millionen Euro) angekündigt. Das deutsche Auswärtige Amt, das von nicht notwendigen Reisen in die drei Staaten abrät, hat zur Bekämpfung der Krankheit 500.000 Euro zur Verfügung gestellt. Wie das Ministerium am Freitag in Berlin mitteilte, wird mit den Mitteln die Nichtregierungsorganisation Ärzte ohne Grenzen unterstützt. Zudem wird im Rahmen des Deutschen Partnerschaftsprogramms für biologische Sicherheit und Gesundheitssicherstellung die Förderung der Arbeit des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts aufgestockt. Seit Beginn der Krise arbeitet das Institut mit Unterstützung des Auswärtigen Amts daran, Diagnostik, Laborinfrastruktur und die sichere Lagerung von Proben zu verbessern.

In einer Klinik im liberischen Monrovia kämpfen unterdessen seit mehr als einer Woche der mit dem Ebola-Virus infizierte US-Mediziner Kent Brantly und dessen Helferin Nancy Writebol um ihr Leben. Die beiden freiwilligen Mitarbeiter der christlichen Organisation Samaritan's Purse wurden wegen der Ansteckungsgefahr von den übrigen Patienten isoliert und können von den Ärzten nur in Schutzanzügen behandelt werden. Ihr Zustand wird als „kritisch, aber stabil“ bezeichnet. Um den Infizierten die bestmögliche medizinische Versorgung zu geben, sollen sie jetzt offenbar in die USA ausgeflogen werden. Ein Spezialflugzeug der US-Gesundheitsbehörde CDC (Center for Disease Control and Prevention) ist nach Angaben von CNN von Atlanta in Richtung Westafrika gestartet und soll Brantly und Writebol aus Liberia in die USA bringen. Die beiden wären die ersten Ebolapatienten in Amerika. Dort wächst die Sorge vor der tödlichen Krankheit. Im Internet regte sich die Angst, auf diese Weise Ebola in die USA einzuschleppen. „So sehr ich die Arbeit der Samaritan’s Purse respektiere, möchte ich niemanden mit Ebola nahe den USA haben“, twitterte eine Frau.

Es handelt sich um den schwersten Ausbruch der Krankheit seit ihrer Entdeckung seit dem Jahr 1976. Zudem ist es die erste Epidemie mit dem besonders gefährlichen Zaire-Ebola-Virus in Westafrika.