Mandatsniederlegung

Prozess: Mollath ist „kompromisslos bis zum Zerwürfnis“

Gustl Mollath, 57, ist kompromisslos, penetrant, rigide und misstrauisch – so die Einschätzung des Forensikers Professor Norbert Nedopil in seinem Gutachten vor dem Landgericht Regensburg.

Zudem sieht der Psychiater Zeichen von mangelnder Flexibilität, Rechthaberei und Selbstüberschätzung. Ob Mollaths Verteidiger dieser Einschätzung zustimmen, ist nicht bekannt. Doch der Angeklagte hat sich mit seinen Anwälten derart zerstritten, dass sie am Montag vor dem Landgericht Regensburg ihr Mandat niederlegen wollen.

Denn Mollath will in dem Verfahren nicht nur die Prügelvorwürfe seiner Ex-Frau widerlegen, sondern beharrt auf der Aufklärung einer angeblichen Schwarzgeldverschwörung seiner damaligen Frau mit einer Bank und der bayerischen Justiz – so wie schon im ersten Prozess 2006, der zur Einweisung in die Psychiatrie führte. Beweise für eine Intrige gibt es nicht. Der von Mollath vermutete Schwarzgeldskandal war 2013 auch schon Thema im Untersuchungsausschuss des Landtags. Die Abgeordneten fanden zwar Fehler des Justizapparats – aber keinerlei Belege für eine Verschwörung.

Mollath bleibt aber dabei. Er bringt mit seinen immer wieder vorgebrachten Vorwürfen alle gegen sich auf: Das Gericht, die Staatsanwaltschaft und auch die eigenen Verteidiger, von denen Mollath bislang „hervorragend verteidigt wurde“, wie Richterin Elke Escher betont.

Am Montag eskaliert der offenbar seit längerem schwelende Streit zwischen Mollath und seinen Pflichtverteidigern. Sie wollen ihr Mandat niederlegen. „Ein Angeklagter, der über seinen Verteidiger Lügen verbreitet, geht gegen meine Ehre“, sagt Rechtsanwalt Gerhard Strate. Dem Hamburger kommt das Hauptverdienst dafür zu, dass Mollaths Zwangsunterbringung in der Psychiatrie 2013 beendet wurde. Das Gericht entpflichtet die Anwälte jedoch nicht. Sie müssen weiter neben Mollath sitzen. Auf der Anklagebank herrscht eisige Stille.