Festnahme

Zwei Festnahmen nach Metro-Unglück in Moskau

Nach dem U-Bahn-Unglück in Moskau mit 22 Toten haben die Behörden zwei Angestellte der Verkehrsbetriebe festgenommen.

Wie die Ermittler am Mittwoch mitteilten, handelt es sich dabei um den Abteilungsleiter für die Bahnstrecken und seinen Stellvertreter. Die Männer sollen direkt an der Vorbereitung von Weichenarbeiten an dem Streckenabschnitt im Mai beteiligt gewesen sein, auf dem die Bahn entgleist war. Die Bauarbeiten zwischen den Stationen Pobedi Park und Slawjanski seien „nicht korrekt ausgeführt worden“. Eine neue Weiche sei nur mit einem drei Millimeter starken Draht fixiert gewesen. Die beiden Männer wurden befragt, und eine Anklage wird vorbereitet, sagte Chefermittler Wladimir Markin.

Bei dem Unfall im Berufsverkehr am Dienstag kamen 22 Menschen ums Leben, 136 wurden verletzt. Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte mit, acht Menschen befänden sich noch in kritischem Zustand und 40 hätten schwere Verletzungen. Mehr als 1100 Menschen mussten aus dem zerstörten Zug geborgen werden. Die Blaue Linie soll bis Freitag gesperrt bleiben.

Die russische Presse forderte eine umfassende Aufklärung. Sollten die Ermittler die Schuld „dem Zugführer oder einem anderen Sündenbock zuschieben“, müssten die Behörden mit der Wut der Moskauer rechnen, warnte „Gazeta.ru“. Auch die Zeitung „Wedomostie“ forderte, dass das gesamte Nahverkehrsnetz der Hauptstadt auf den Prüfstand komme.

Die 1935 von Sowjetdiktator Josef Stalin eröffnete Metro ist Moskaus wichtigstes Nahverkehrsmittel. An jedem Werktag nutzen bis zu neun Millionen Fahrgäste das rund 300 Kilometer lange Schienennetz. In der Hauptverkehrszeit fährt auf den wichtigsten U-Bahnlinien etwa jede Minute ein Zug. Viele der 180 Stationen an zwölf Strecken sind prunkvoll mit Lüstern, Reliefs und Statuen verziert und mit Marmor verkleidet.