Bildung

Odenwaldschule entlässt seine Leitung

Nach Missbrauchsskandal soll eine Neuausrichtung erfolgen. Lehrer sind keine Betreuer mehr

Wegen eines Streits über das neue Konzept hat der Träger der Odenwaldschule den Schulleiter Siegfried Däschler-Seiler, die Internatsleiterin Juliana Volkmar sowie den langjährigen Geschäftsführer Meto Salijevic überraschend entlassen. Das hatte der Trägerverein als entscheidendes Gremium „in großer Einigkeit und mit überwältigender Mehrheit“ am Sonntag beschlossen.

Nach diesem überraschenden Aus für ihre Leitung will die wegen eines Missbrauchsskandals umstrittene Schule das Gespräch mit den Aufsichtsbehörden suchen. „Wir wollen uns über unsere geplante Neuausrichtung eng abstimmen“, sagte eine Sprecherin der Privatschule in Heppenheim (Hessen) am Mittwoch. Erst danach stünden die nächsten Schritte an. „Alles andere würde hier vorgreifen.“ An einem Treffen in der kommenden Woche unter anderem mit Vertretern aus zwei Landesministerien und dem Landkreis Bergstraße werde festgehalten.

Aufsichtsbehörde unzufrieden

Das neue Konzept sieht vor, dass Lehrer in den als „Familien“ bezeichneten Internatsgruppen nicht zusätzlich die Rolle der Betreuer übernehmen. Für diese Aufgabe sollen Sozialpädagogen eingestellt werden. Damit würden Schule und Internat strikt getrennt, um Kinder besser vor sexuellem Missbrauch zu schützen. „Wir konzentrieren uns jetzt auf die Gespräche mit den Aufsichtsbehörden darüber“, sagte die Sprecherin.

Die Odenwaldschule stehe aber nicht ohne Leitung da. „Alle Vertretungsregelungen greifen“, sagte die Sprecherin. Wann es zur Trennung komme, müsse noch arbeitsrechtlich geklärt werden. Däschler-Seiler und Volkmar waren erst zu diesem Schuljahr gekommen. Zuvor hatte am Dienstag bereits der stellvertretende Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf (Grüne), von personellen Konsequenzen in Heppenheim gesprochen.

An der Odenwaldschule waren 2010 lange vertuschte sexuelle Übergriffe an die Öffentlichkeit gelangt. Offiziell wurden 132 Fälle bekannt. Es kam zu personellen Veränderungen an der Spitze. 2014 gab es neue Verdächtigungen. Aufsichtsbehörden erhöhten den Druck auf die Schule, die sich zu einem neuen Konzept entschloss. Im Juni hatte die Schule noch mitgeteilt, Däschler-Seiler wolle selbst gehen. Dann hieß es wiederum, er habe nicht gekündigt. Geschäftsführer Salijevic ist schon wesentlich länger als Däschler-Seiler und Volkmar an der Schule. Er war schon zu den Zeiten da, als die sexuellen Übergriffe vertuscht wurden.

Der Landkreis Bergstraße als Aufsichtsbehörde des Internats ist nach wie vor unzufrieden. Es fehle Klarheit, wie es in Heppenheim weitergehen soll, sagte Schimpf. Für den 22. Juli sei eigentlich ein Gespräch darüber geplant. Nun gebe es aber keine wirkliche Leitung mehr. Das Gespräch ist Folge mehrerer Fristen, die der Landkreis dem Internat gesetzt hatte. Nach den neuen Missbrauchsvorwürfen hatte die Aufsichtsbehörde beim Internat nachgefragt, aber nach eigener Einschätzung nur unbefriedigende Antworten bekommen.