Abtransport

„Costa Concordia“ treibt wieder frei im Meer

Bergung des Wracks verläuft bisher nach Plan. Die Überfahrt nach Genua ist allerdings heikel

Sie schwebt wieder frei im Wasser. Kurz vor Mittag löst sich der Rumpf der „Costa Concordia“ von der Unterseeplattform. Das Kreuzfahrtschiff, das im Januar 2012 vor der Mittelmeerinsel Giglio kenterte, treibt damit erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder aufrecht und frei im Mittelmeer.

Am Montag hat das Manöver „Refloating“ begonnen. Es ist die letzte Operation, bevor das Wrack abtransportiert werden kann. Sechs bis sieben Tage dürfte es in Anspruch nehmen. Die „Costa Concordia“ wird angehoben, damit sie an einem Schlepper vertaut und von Giglio in den Hafen von Genua abgeschleppt werden kann.

Bergungsspezialist Titan Micoperi hat an dem Wrack 30 Stahlkästen befestigt, sie sind vertikal und horizontal angebracht. Sie stabilisieren den Rumpf und geben ihm Auftrieb, sie sind die „Schwimmflügel“ für die „Costa“. Die Stahlkästen sind mit Wasser gefüllt. Langsam wird das Wasser mit komprimierter Luft herausgedrückt und das Schiff allmählich nach oben gehoben.

Um sechs Uhr ging es los. Nick Sloane, der Einsatzleiter, bestieg die Kommandobrücke der „Costa Concordia“. Der Südafrikaner, der das Wrack im September 2013 in einer aufsehenerregenden Aktion in die Senkrechte drehte, wird es nun anheben. Ganz sacht muss er vorgehen, Zentimeter für Zentimeter. Am Montag wird das Wrack um insgesamt zwei Meter angehoben und um rund 30 Meter verschoben. Der Moment, wenn sich die „Costa Concordia“ vom Untergrund löst, galt als besonders kritisch. Dementsprechend herrschte um die Mittagszeit Erleichterung.

Im Januar 2012 kenterte das Kreuzfahrtschiff vor der Insel Giglio. 32 Menschen kamen ums Leben, darunter auch zwölf Deutsche. Lange dümpelte das Wrack vor dem Hafen. Seine gewaltigen Dimensionen erschwerten jegliches Manöver. Es ist mit 290 Metern so lang wie drei Fußballfelder (oder doppelt so lang wie die „Titanic“), 35 Meter breit und hat ein Volumen von 114.000 Bruttoregistertonnen. Doch jetzt, zweieinhalb Jahre später, ist es so weit: Wenn alles gut geht, wird die „Costa Concordia“ Giglio kommendes Wochenende verlassen. Vier, fünf Tage wird sie über das Meer nach Genua gezogen, wo sie schließlich verschrottet wird.

Die Überfahrt von Giglio nach Genua gilt als heikel. Das Wrack wird von einem Konvoi von Schiffen eingerahmt werden. Angeführt wird die kleine Armada von einem Forschungsschiff, das Meerestiere davon abhalten soll, den Kurs zu kreuzen. Das Wrack wird durch ein Walschutzgebiet gezogen. Das „Santuario dei Cetacei“ liegt zwischen Sardinien und der italienischen sowie der südfranzösischen Küste.

Bislang ruht die „Costa Concordia“ auf einer Plattform, die sich 31 Meter unter dem Wasser befindet. Für die ersten zwei Meter, um die das Wrack angehoben werden soll, braucht das Team zwischen sechs und acht Stunden. Danach wird es mit sechs Stahlsäulen, die über drei Kräne auf dem Festland geführt werden, in der Schwebe gehalten. Zwei weitere Seile werden von der Meeresseite angebracht.