Kriminalität

Steuer-Schlupflöcher der Stars

George Michael, Katie Melua und weitere Prominente warten auf Post vom Finanzamt

Dutzende internationale Stars müssen sich auf Post vom britischen Finanzamt gefasst machen. Ob Popsänger George Michael, Dire-Straits-Gitarrist Mark Knopfler oder Fußballstar David Beckham – sie alle haben Geld in Investmentmodelle gesteckt, um Steuern zu sparen. Mehrere große britische Zeitungen berichten auf Grundlage von an sie unter der Hand weitergegebenen Unterlagen, dass die Elite des britischen wie US-amerikanischen Showbusiness in aggressive Steuersparmodelle eingezahlt und damit dem Fiskus möglicherweise Hunderte Millionen Pfund vorenthalten hat.

Der „Wham“-Sänger George Michael etwa soll umgerechnet 7,8 Millionen Euro aus Tour- und Plattenverkaufseinnahmen in ein Modell namens „Liberty“ gesteckt haben. Dabei investieren die Betreffenden in ein fingiertes Offshore-Unternehmen, das dann Verluste macht, die wiederum von der Steuer absetzbar sind.

Insgesamt 1,5 Milliarden Euro sammelte „Liberty“ zwischen 2005 und 2009 ein. Eine Methode, die vielen millionenschweren Steuerzahlern in Großbritannien von ihren eigenen Finanzberatern angetragen wurde. So auch der Sängerin Katie Melua, die 2008 rund eine Million Euro investierte. Für Melua ist die Aufdeckung besonders unangenehm. Die Musikerin hatte 2010 von einer Hilfsorganisation die Auszeichnung „Steuer-Superheldin“ erhalten, nachdem sie öffentlich stolz verkündet hatte, dass sie gerne – „fast die Hälfte meiner Einnahmen“ – an den Fiskus zahle. Die Organisation „Christian Aid“, die Melua seinerzeit geehrt hatte, zeigte sich schwer enttäuscht: Es sei moralisch verwerflich, Steuern zu vermeiden, „weil dies Menschen Steuern kostet, die zu arm oder zu ehrlich sind, solche Sparmodelle zu benutzen“. Melua ließ am Mittwoch mitteilen, sie habe dem Finanzamt bereits alle offenen Schulden überwiesen.

Auch ein Sprecher von David und Victoria Beckham, die in ein Modell namens „Ingenious“ investiert haben sollen, teilte mit, dass die beiden „immer alle ihre Steuern gezahlt haben und niemals in aggressive Steuervermeidungsmodelle verwickelt waren“. Zwar herrscht in Großbritannien generell eine im Vergleich zu Deutschland größere Gelassenheit, wenn es um Steuerehrlichkeit geht. Doch spätestens mit den Vorwürfen an den Take-That-Sänger Gary Barlow, der umgerechnet 70 Millionen Euro in Scheinfirmen versteckt haben soll, ist die öffentliche Meinung gekippt. Denn wie er und Melua machen viele der Prominenten mit wohltätigem Engagement Eigen-PR. Barlow beispielsweise bekam für seine Benefizaktivitäten einen Orden der Queen, er durfte das Kronjubiläumskonzert der Monarchin organisieren und war – auch wegen seiner großzügigen Spenden – ein gern gesehener Gast bei Premier David Cameron und seiner Tory-Partei. Auch George Michael zählte sich gern zu den Wohltätern.

Jenseits von „Liberty“ tauchten auch „Jersey-Akten“ auf, die dem „Guardian“ zugespielt wurden und möglicherweise explosiven politischen Stoff bergen. Die Kanalinsel gilt als Steuerparadies, ist weder britisches Territorium noch in der EU, aber britischer Kronbesitz. Reiche Briten nutzen die Insel, um dort ihre Gelder zu parken – und sich die Parteien auf dem Festland teilweise mit großzügigen Spenden wohlgesonnen zu halten.

So bekamen dem „Guardian“ zufolge Camerons Tories fast eine Million Euro von einem Banker, dessen Schwägerin zur Abgeordneten gewählt wurde und mittlerweile für Finanzdienstleistungen zuständige Staatssekretärin geworden ist. Auch eine euroskeptische Denkfabrik bekam von dem Geschäftsmann eine nicht unerheblich Spende von 850.000 Euro.

Die Weitergabe der „Jersey-Akten“ bringt zugleich die Finanzmachenschaften weiterer Prominenter ans Licht: Der Opernsänger Placido Domingo richtete dort ein Treuhandvermögen für seinen Sohn ein und auch der frühere Manchester-United-Kapitän Bryan Robson investierte in ein Hypothekenmodell. Der US-Schauspieler mit irischem Pass, Mel Gibson, und fünf seiner Kinder tauchen ebenfalls in den Unterlagen auf.

Mark Knopfler hatte für seine Ex-Frau und die beiden Söhne ein Treuhandkonto dort. Seinen Finanzberatern zufolge hatte er aber „alle Details den britischen und US-amerikanischen Behörden in der Steuererklärung dargelegt“.

Während Steuerflucht im Königreich strafbar ist, sind es Steuervermeidungsmodelle nicht – bisher. Denn die Regierung hat eine neue Gesetzgebung erlassen, die nächsten Monat in Kraft tritt und die Nutzer solcher Schlupflöcher zwingen soll, Steuernachforderungen umgehend zu begleichen. Anfang 2015 kommt das Steuermodell ganz offiziell vor Gericht.

Danny Alexander, Staatssekretär im Schatzkanzleramt, bezeichnete das Nutzen von solchen Schlupflöchern jüngst als „moralisches Äquivalent zum Sozialhilfebetrug“, das jedem „Grundprinzip von Fairness“ widerspreche. Demzufolge müsse jeder Bürger seinen angemessenen Anteil Steuern zahlen.