Tiere

Trauriger Elefant findet eine Freundin

Nach 50 Jahren Gefangenschaft darf Raju in Indien mit Artgenossen leben

Mit einer gewagten Aktion in der Nacht des 4. Juli befreiten Aktivisten der Naturschutzorganisation Wildlife SOS einen indischen Elefanten aus den brutalen Fängen seines drogenabhängigen Besitzers. Die Geschichte des über 50 Jahre lang gepeinigten Tieres nahm in dieser Nacht eine hoffnungsvolle Wende. Und der emotionale Ausdruck im Gesicht des Dickhäuters wurde zur Sensation: Rajus Tränen gingen um die Welt.

Kartick Satyanarayan, Mitbegründer der Vereinigung Wildlife SOS, mutmaßt: „Welch eine Tortur muss dieses halbe Jahrhundert für Raju gewesen sein?“ Wie dem Dickhäuter Tränen bei seiner Befreiung übers Gesicht gelaufen seien, beschrieb der Naturschützer so: „Er weinte zweifellos einige Tränen wegen der Schmerzen, aber er schien auch die Veränderung zu spüren. Es war, als ob er das erste Mal nach sehr langer Zeit Hoffnung empfand.“

Per Lkw brachten die Aktivisten Raju ins Rettungszentrum der nordindischen Stadt Mathura. Dort begegnete Raju nun dem ersten Mitglied seiner Adoptivfamilie – Phoolkali. Die Elefantin wurde vor zwei Jahren ebenfalls von Wildlife SOS gerettet, aus einem fensterlosen Lagerhaus. Sie sei damals stark abgemagert und nahezu erblindet gewesen. Raju und Phoolkali hätten inzwischen Freundschaft geschlossen, heißt es seitens der Organisation. So habe die Elefantin den Bullen vor kurzem besucht und solle laut der Pfleger darauf bestanden haben, dass sie ihren abendlichen Snack zusammen einnehmen. Für Raju war es womöglich das erste Abendessen seit 50 Jahren mit einem anderen Elefanten.

Bis zu dreißig Besitzer soll Raju gehabt haben, nachdem man ihn als junges Tier aus der Wildnis verschleppt hatte. Doch viel mehr wisse man nicht über das Vorleben des Elefantenbullen, dessen Befreiung mit einem langen Kampf einherging. Wildlife SOS war zwar schon vor einem Jahr auf den entsetzlichen Zustand Rajus aufmerksam gemacht worden. Doch ehe der Gerichtsbeschluss durch war, um das Tier vor seinem Quäler zu retten, verging viel Zeit. Der ehemalige Eigner hatte versucht, die Rettung um jeden Preis zu verhindern. Aber Wildlife SOS gab nicht auf – die Flucht gelang. Satyanarayan sagte: „Als wir ins Rettungszentrum einfuhren, erwachten die anderen Elefanten aus ihrem Schlaf und kamen herangelaufen, um einen ersten Blick auf den Neuankömmling zu werfen. Es war wirklich ein außergewöhnlicher Moment.“