Justiz

Todesdrohungen und Tränen im Prozess um Fährunglück

Im Prozess um das schwere Fährunglück in Südkorea haben sich am Dienstag dramatische Szenen abgespielt.

Angehörige von Opfern der Katastrophe hatten im Gerichtssaal in Gwangju Gefühlsausbrüche zwischen Trauer und Wut, als die Staatsanwaltschaft Videobilder des sinkenden Schiffes zeigte. Dutzende Verwandte der Unglücksopfer waren zugegen, als auf den Videobildern die letzten Momente vor dem Untergang der Passagierfähre gezeigt wurden. Die Videos waren von Rettungshubschraubern und -booten aus aufgenommen worden. Darauf war zu sehen, wie Passagiere verzweifelt versuchten, sich aus dem sinkenden Schiff zu retten. Eine Nahaufnahme zeigte, wie sich der Kapitän und andere Besatzungsmitglieder durch einen Sprung ins Meer in Sicherheit brachten. Als Reaktion auf die Bilder schrien Angehörige im Gerichtssaal die 15 angeklagten Besatzungsmitglieder an, einige stießen Todesdrohungen gegen sie aus.

In dem am 10. Juni begonnenen Prozess sind Kapitän Lee Joon Seok und drei andere ranghohe Crew-Mitglieder wegen fahrlässiger Tötung in besonders schwerem Fall angeklagt, ihnen droht die Todesstrafe. Elf weitere Besatzungsmitglieder müssen sich wegen minder schwerer Verletzungen des Seerechts verantworten. Der Kapitän und seine Untergebenen sollen die Passagiere auf dem sinkenden Schiff angewiesen haben, zu bleiben, wo sie waren – fast eine Stunde lang harrten die Passagiere somit in ihren Kabinen oder auf ihren Sitzen auf dem sinkenden Schiff aus. Die ranghohen Besatzungsmitglieder verließen die Fähre, während Hunderte Menschen noch darin festsaßen. Bei dem Unglück am 16. April kamen rund 300 Menschen ums Leben, unter ihnen etwa 250 Schüler derselben Schule in der Stadt Ansan.

Zeitgleich zur Gerichtsverhandlung am Dienstag wurde ein offizieller Bericht zu dem Unglück veröffentlicht. Demnach führten Behördenversagen, Korruption und Geldgier zu der Katastrophe.